Konvention verbietet neue Quecksilberminen
Baldiges Abbau-Verbot für Quecksilber
publiziert: Samstag, 19. Jan 2013 / 10:23 Uhr / aktualisiert: Samstag, 19. Jan 2013 / 17:02 Uhr
Quecksilber bei Zimmertemperatur
Quecksilber bei Zimmertemperatur

Genf - Der Abbau des hochgiftigen Schwermetalls Quecksilber wird bald verboten sein. Die Verwendung des noch vorhandenen Quecksilbers wird in der Konvention geregelt, welche am Samstagmorgen in Genf von 140 Staaten verabschiedet wurde.

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Die Konvention verbietet neue Quecksilberminen. Die bestehenden Minen müssten 15 Jahre ab Inkrafttreten der Konvention geschlossen werden, erklärte der Chef der Schweizer Delegation, Franz Perrez, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Ab diesem Zeitpunkt gebe es kein neu gefördertes Quecksilber mehr. Damit werde das Angebot verknappt. Was noch an Quecksilber gebraucht werde, komme aus dem Recycling-Kreislauf.

Die Verabschiedung der Konvention sei ein Erfolg für die internationale Umweltpolitik und eine Anerkennung für das Engagement der Schweiz, sagte Perrez, der im Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Abteilung Internationales leitet.

Umgang mit Quecksilber geregelt

Geregelt werden in der Konvention Produktion, Verwendung, Lagerung von Quecksilber sowie die Behandlung von quecksilberhaltigen Abfällen. Der Prozess zur Senkung des Quecksilbers war vor zehn Jahren von der Schweiz und Norwegen lanciert worden.

Nach einwöchigen Verhandlungen wurde die Konvention am Samstag nach einer Nachtsitzung verabschiedet. Zuletzt seien noch Einzelheiten etwa zum Kontrollmechanismus und zur Finanzierung geregelt worden, sagte Perrez.

Der Kontrollmechanismus sehe ein 15köpfiges Komitee vor, welches gemeldeten Verstössen in einzelnen Ländern nachgeht sowie die Umsetzung der Konvention systematisch begleitet.

«Schmutziges Gold»

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GvbV) begrüsste die Bemühungen der Schweiz. Als erste konkrete Massnahme sollte die Schweiz nun ein Einfuhrverbot von «schmutzigem Gold» verhängen.

Die Schweiz als «wichtigste Drehscheibe im Goldhandel» solle nur noch Gold importieren, das ohne Freisetzung von Quecksilber abgebaut wurde, forderte die GvbV am Freitag in einem Communiqué.

Rund ein Drittel der durch Menschen verursachten Quecksilberemissionen stammen laut GvbV aus dem Gold-Kleinbergbau. Das Schwermetall wird beim Schürfen verwendet und gelangt vielfach ungehindert in die Umwelt.

Er unterstütze die Forderung nach einem Importstopp von «schmutzigem Gold», sagte Perrez. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erarbeite übrigens derzeit verschiedene Gold-Labels, welche den Konsumenten über die Herkunft des Edelmetalls informierten. Dies entspreche offenbar einem Bedürfnis auf Seiten der Konsumenten wie auch der Geschäfte.

Über Fisch zum Menschen

Das Schwermetall Quecksilber ist für Lebewesen hochgiftig. Quecksilber verflüchtigt sich schon bei Zimmertemperatur und breitet sich in der Atmosphäre weiträumig aus.

Jedes Jahr gelangten über diesen Weg 200 Tonnen Quecksilber in die Arktis. Dort werde es von Fischen aufgenommen, die anschliessend von Menschen verzehrt würden, umriss das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) in einem Communiqué die Problematik. Neben dem Goldabbau kommt Quecksilber etwa auch in der Computerbranche zur Anwendung.

Das internationale Regelwerk wird im Oktober im japanischen Minamata zur Unterzeichnung durch die Staaten aufgelegt. In Minamata waren über 2000 Menschen an einer jahrzehntelangen massiven Quecksilberkontamination gestorben. Für die Schweiz wird der Bundesrat die Konvention unterzeichnen. Die Ratifizierung obliegt dem Parlament.

(asu/sda)

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