Radiumfund von Biel
Behörden geben nach Radiumfund in Biel Fehler zu
publiziert: Montag, 2. Jun 2014 / 18:01 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Jun 2014 / 18:19 Uhr
Das radioaktive Material stammt wahrscheinlich aus der Bieler Uhrenproduktion.
Das radioaktive Material stammt wahrscheinlich aus der Bieler Uhrenproduktion.

Biel - Nach dem Fund von radioaktivem Abfall auf einer Autobahn-Baustelle in Biel haben die Behörden am Montag Fehler in der Kommunikation eingeräumt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) richtet per sofort eine Kontaktstelle für Fragen ein.

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Es handelt sich um eine E-Mail-Adresse, an die sich Bürgerinnen und Bürger richten können, wie BAG-Vizedirektor Roland Charrière an einer Medienkonferenz in Biel bekanntgab.

Die Stadt Biel nimmt den erstmaligen Fund von radioaktivem Material in einer ehemaligen Abfalldeponie ausserdem zum Anlass, alle potenziell radioaktiv verseuchten Gebiete auf Stadtgebiet näher zu untersuchen. Dies zusammen mit dem Kanton Bern.

Das in den letzten zwei Jahren gefundene radioaktive Radium-226 stammt wahrscheinlich aus der Uhrenproduktion, wurden doch Fläschchen mit radioaktiver Leuchtfarbe gefunden. In der Uhrenstadt Biel wurden zahlreiche Uhren produziert. Die Leuchtfarbe wurde für die Bemalung von Zifferblättern verwendet.

Kommunikationsmängel werden untersucht

Am Sonntag hatten die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» berichtet, dass im Jahr 2012 erstmals radioaktiver Abfall von der Baustelle der A5-Autobahnumfahrung von Biel gefunden wurde. In der Folge informierte der Kanton Bern als Bauherr das Bundesamt für Gesundheit und die SUVA.

Die Behörden trafen danach Schutzmassnahmen für die Bauarbeiter und sorgten dafür, dass das radioaktive Material - total 120 Kilogramm - nicht mehr auf Deponien gelagert wurde, sondern an einem sicheren Ort beim BAG selber.

Die Bevölkerung in der Umgebung der Baugrube wurde aber nie informiert, obwohl sich zahlreiche Wohnhäuser auf der ehemaligen Deponie am Bieler Lischenweg - dem sogenannten Bieler «Stadtmist» - befinden.

Noch am Sonntag schoben sich Stadt Biel, BAG und Kanton Bern gegenseitig die Schuld für die Nicht-Information zu. Am Montag traten Vertreter gemeinsam vor die Medien und sowohl Vertreter der Stadt Biel wie auch des BAG anerkannten, ungenügend informiert zu haben. Das habe zu Verunsicherung geführt, sagte Biels Stadtpräsident Erich Fehr.

Es werde nun untersucht, wieso es mit der Information nicht geklappt habe, sagten Charrière und die Bieler Umweltdirektorin Barbara Schwickert.

«Geringe Gefahr»

Nach der ersten Entdeckung von Radioaktivität im Aushub der A5-Baustelle sei nicht informiert worden, weil es sich damals um ein Einzelereignis gehandelt habe, sagte Charrière. Auch später wurden laut Thomas Varrin vom Tiefbauamt des Kantons Bern nur vereinzelt kleine Mengen gefunden.

Für die Bauarbeiter habe nach Ergreifen der Schutzmassnahmen keine Gefahr bestanden - für die Zeit davor kann das BAG aber eine Gefährdung nicht ausschliessen. Für die Bevölkerung und die Umwelt sei das Risiko gering.

Zwar wurde Anfang 2014 im Erdreich einmal Abfall mit einer hohen Strahlendosis von 300 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Laut Varrin lagen die Fläschchen mit der radioaktiven Leuchtfarbe aber etwa in der Mitte der Abfallschicht, also nicht direkt unter der Erdoberfläche. Und nur unmittelbar auf der Oberfläche der Fläschchen seien die Werte hoch, so Varrin.

Auch das BAG schreibt in einer Mitteilung vom Montag, an der Erdoberfläche sei die Strahlendosis gering. Es schätzt, dass die Dosis in den öffentlich zugänglichen Flächen auf der ehemaligen Bieler Deponie auf einem Meter über dem Boden maximal 0,9 Mikrosievert pro Stunde beträgt.

«Ein Mensch müsste also 1100 Stunden pro Jahr in dem Bereich, in dem die Strahlung am höchsten ist, auf derselben Bank sitzen, um eine Strahlung in der Höhe des für die Bevölkerung geltenden Grenzwerts von 1 Millisivert pro Jahr zu erreichen.»

Messresultate werden kommuniziert

Das BAG wird nun in den nächsten Wochen mit Einwilligung der Stadt Biel in den Wohngebieten am Lischenweg Bodenproben entnehmen und Messungen im Sicker- und Grundwasser durchführen. Das gab das BAG schon am Sonntag bekannt. Es will damit jegliches Risiko für die Menschen ausschliessen können.

Die Resultate dieser Messungen werden die Behörden von sich aus bekanntgeben.

 

(fest/sda)

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