Bio-Treibstoffe: Nur kleiner Beitrag am Klimaschutz
publiziert: Dienstag, 22. Mai 2007 / 16:15 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 23. Mai 2007 / 06:57 Uhr

Dübendorf/Bern - Biotreibstoffe sind nicht unbedingt umweltfreundlicher als fossile Treibstoffe. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Empa. Ob der Bundesrat Diesel aus Mais oder Soja von der Mineralölsteuer befreit, ist deshalb fraglich.

Bei der Biotreibstoff-Produktion fallen ebenfalls Umweltbelastungen an.
Bei der Biotreibstoff-Produktion fallen ebenfalls Umweltbelastungen an.
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Weiterführende Links zur Meldung:

Zur Studie
Nicht jeder Biotreibstoff ist umweltfreundlich
www.bafu.admin.ch/aktuell/medieninformation/00004/index.html?lang=de&msg-id=12653

Einige Biotreibstoffe verursachten zwar mehr als ein Drittel weniger Treibhausgase als Benzin oder Diesel, heisst es in einer Mitteilung der Empa. Bei Anbau und Verarbeitung von Stoffen wie Mais oder Soja fallen jedoch andere Umweltbelastungen an.

Diese sind teils so «schwerwiegend», dass sie die «ökologische Gesamtbilanz deutlich verschlechtern». Die Umweltbelastungen reichen von Überdüngung und Versauerung des landwirtschaftlich genutzten Bodens bis hin zum Verlust der Artenvielfalt.

In der tropischen Landwirtschaft etwa setzt die Brandrodung der Umwelt zu. In gemässigten Zonen tragen der niedrige Flächenertrag, Überdüngung und die mechanische Bearbeitung des Bodens zur höheren Umweltbelastung bei. Teils sind die Belastungen so «schwerwiegend», dass sie die «ökologische Gesamtbilanz deutlich verschlechtern».

Gute Noten für Holz

Zudem steht die Treibstoffgewinnung aus Pflanzen auch in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung oder dem Erhalt natürlicher Flächen. In Hungergebieten etwa wäre es absurd, Pflanzen grossflächig zur Herstellung von Treibstoff anzubauen.

Am besten schneiden laut der Studie Abfall- und Reststoffe ab. Einerseits fallen hier die hohen Umweltbelastungen bei der Herstellung weg. Andererseits verringern sich die Schadstoffemissionen aus der Abfallbeseitigung. Gute Noten bekommt auch Holz. Hier sind die Umweltauswirkungen bei der Bereitstellung des Rohstoffes sehr gering.

Steuerbefreiung fraglich

Die Studie wurde im Auftrag der Bundesämter für Energie, Umwelt und Landwirtschaft erstellt. Sie dient dem Bundesrat als Grundlage für den Entscheid, welche Biotreibstoffe von der Mineralölsteuer befreit werden sollen.

Das Parlament hatte eine Steuerbefreiung unter der Voraussetzung beschlossen, dass die ökologische Gesamtbilanz positiv ist.

Nicht alleinigee Kriterien

Die energetische Effizienz und die dadurch erzielte Treibhausgasreduktion könnten nicht die alleinigen Kriterien für eine ökologische Gesamtbewertung von Biotreibstoffen sein, wird Empa-Wissenschafter Rainer Zah in der Mitteilung zitiert.

Mit seinem Team hatte er verschiedene alternative Treibstoffe - Bioethanol, Biodiesel und Biomethan -vom Anbau über die Herstellung der Treibstoffe bis zu ihrer ökologischen Nutzung bewertet.

WWF zieht Bilanz

Einzig die Verwertung von ohnehin anfallenden Bioabfällen rechtfertigt die Herstellung von biogenen Treibstoffen: Dieses Fazit zieht der WWF aus der veröffentlichten EMPA-Studie. Gemäss WWF fällt damit die Menge alternativer Treibstoffe und deren CO2-Reduktion tiefer als geplant aus. Der WWF fordert jetzt vom Bundesrat, die bis Juni 2007 sistierte CO2-Abgabe auf Treibstoffe dem Parlament vorzulegen.

Der WWF anerkennt, dass die Studie im Hinblick auf die vom Parlament verabschiedete Befreiung der biogenen Treibstoffen von der Mineralölsteuer wertvolle Information zur Bestimmung der Ökobilanz liefert.

Subventionshöhe von Entlastung abhängig machen

Da die vollständige Befreiung von der Mineralölsteuer einer 100%-Subventionierung der alternativen Treibstoffe gleichkäme, schlägt der WWF vor, die Subventionshöhe von der Umweltentlastung abhängig zu machen.

Patrick Hofstetter, Klimaexperte des WWF Schweiz, sieht in dieser Lösung mehrere Vorteile: „Damit wird ein ständiger Anreiz gegeben, die Anbau- und Produktionsprozesse weiter zu verbessern und die Entwicklung der so genannten zweiten Generation von biogenen Treibstoffen voranzutreiben. Ebenfalls wird damit verhindert, dass grosse Mengen pflanzliche Treibstoffe den Markt überschwemmen, ohne eine entsprechende Entlastung von Umwelt und Klima sicherzustellen.“ Dies sei insbesondere wichtig, da „grüne Treibstoffe“ gewisse Autofahrende sogar zu Mehrkilometern verleiten könnten.

CO2-Abgabe auf Treibstoffe?

Da die Menge der Bioabfälle, welche zu Treibstoffen umgewandelt werden kann, beschränkt ist und im Vergleich zur heute nachgefragten Treibstoffmenge gering, ist auch dieser Versuch des Bundesrates, das CO2-Gesetz umzusetzen, gescheitert.

Patrick Hofstetter: „Als wirksame kurzfristige Massnahme bleibt die Einführung einer CO2-Abgabe auf Treibstoffe. Am besten gleichzeitig mit der CO2-Abgabe auf Brennstoffe, welche bereits beschlossen wurde.“

(ht/news.ch mit Agenturen)

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