Seen würden Wassermangel lindern
Dämme könnten schwindende Gletscher ersetzen
publiziert: Freitag, 20. Mai 2016 / 11:36 Uhr
Der Griessee im Kanton Wallis wird vom Griesgletscher gespeist.
Der Griessee im Kanton Wallis wird vom Griesgletscher gespeist.

Birmensdorf - Stauseen könnten in Zukunft den Wassermangel lindern, der angesichts schwindender Gletscher im Sommer zu erwarten ist.

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Dies berichtet ein Forscherteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, das die Folgen des Klimawandels auf die Gletscher in den europäischen Alpen simuliert hat. Den Experten nach könnten zwei Drittel der im Sommer fehlenden Wassermenge durch ein aktives Wassermanagement kompensiert werden.

Folgen des Temperaturanstiegs

Viele Flüsse Europas werden von Wasser aus Schnee und Gletschern gespeist. Steigen die Temperaturen, werden schneebedeckte Gebiete kleiner und bleiben über kürzere Zeit bestehen, während die Gletscher erheblich schrumpfen. Deshalb ist zu erwarten, dass im Sommer künftig deutlich weniger Wasser aus dem Hochgebirge zur Verfügung steht. Die Idee der Forscher: Das im Frühjahr wegen der früheren Schmelzsaison verfügbare zusätzliche Wasser in die Sommermonate hinüberretten.

Mit Klimaprognosen und einem Gletschermodell schätzt die WSL, dass diese Strategie bis Ende des Jahrhunderts bis zu zwei Drittel der erwarteten Wasserdefizite ausgleichen könnte. Dazu müsste etwa ein Kubikkilometer Wasser zwischengespeichert werden, was einem Wasserwürfel mit einer Kantenlänge von einem Kilometer entspricht. Als Gedankenspiel verglichen sie diesen Speicherbedarf mit dem Speichervolumen, das verfügbar wäre, wenn künstliche Dämme an den Standorten der schrumpfenden Gletscher gebaut würden.

Technische Herausforderungen

Die Schweizer Fachleute platzierten in ihrem Modell virtuelle Dämme an derzeitigen Gletscherstandorten und berechneten das Volumen der dadurch gebildeten Seen. Es zeigte sich, dass damit zehnmal mehr Wasser als das tatsächlich benötigte Volumen verfügbar wäre. Etwa ein Dutzend zentralisierter Dämme könnten den Speicherbedarf decken. Diese technische Lösung würde allerdings nur einen Teil des Problems beheben, warnen die Autoren.

Zum einen müsste man das Wasser der vielen Alpengletscher - gegenwärtig etwa 4000 - irgendwie zu diesen grossen, zentralisierten Dämmen bringen. Andererseits könnte das Speichern des Wassers bis zum Sommer den durch den Gletscherschwund bedingten Wasserverlust nicht wettmachen. Die Klimaforscher schätzen, dass der Abfluss von Wasser aus Gletschern in den europäischen Alpen bis 2100 um eine Menge schrumpft, die etwa 80 Prozent des heutigen Trinkwasserverbrauchs der Schweiz entspricht.

(bg/pte)

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