Das Eis wird dünn für den Weltklimarats-Chef
publiziert: Mittwoch, 10. Feb 2010 / 13:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 10. Feb 2010 / 15:24 Uhr

Der Vorsitzende des Weltklimarates (IPCC), Rajendra Pachauri, gerät immer mehr in die Kritik. Namhafte Klimaforscher verlangen den Rücktritt des Inders. Das IPCC-Büro der Universität Bern wollte sich dieser Forderung jedoch nicht anschliessen.

Rajendra Pachauri steht im Kreuzfeuer der Kritik.
Rajendra Pachauri steht im Kreuzfeuer der Kritik.
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Die aufgeworfene Kritik an Pachauri werde dem gesamten IPCC-Klimabericht nicht gerecht, erklärte Pauline Midgley von der Universität Bern am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Hauptergebnisse aus dem Klima-Zustandsbericht seien nicht Frage gestellt. Der IPCC hatte in seinem Bericht den Einfluss des Menschen auf die Klimaerwärmung festgestellt.

 Für Schlagzeilen sorgte die Aussage im zweiten Teil, dass die Himalaya-Gletscher bis 2035 verschwunden sein könnten. Es stellte sich heraus, dass die Grundlage für dieses Szenario auf einem populärwissenschaftlichen Artikel in einer britischen Zeitschrift basiert und eine falsche Jahreszahl enthielt.

Pachauri verteidigte die Aussage jedoch heftig und nannte eine neue Gletscher-Studie mit anderen Ergebnissen «Voodoo-Wissenschaft». Erst im Januar wurde der Befund korrigiert. Einige Klimaforscher werfen dem IPCC-Chef deshalb Unsorgfältigkeit, Interessenkollisionen und versuchte politische Einflussnahme vor.

Reinen Tisch machen

So sagte der Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Hartmut Grassl, im Gespräch mit der «Frankfurter Rundschau», Pachauri solle «reinen Tisch machen» und die Leitung des wichtigen Gremiums in andere Hände geben.

Ähnlich der Berner Klimaforscher Heinz Wanner in einem Beitrag im «Tages-Anzeiger»: Die Überprüfung des Berichtes durch Experten und die Anhörung von Extremmeinungen sei in den Arbeitsgruppen II und III nicht immer konsequent angewendet worden. Pachauri habe hier zu wenig unternommen und müsse gehen. Mit seinen Auftritten habe er zudem die Verpolitisierung der Klimawissenschaften akzentuiert.

Und dann Reformen

Der Leiter des deutschen Instituts für Küstenforschung, Hans von Storch, verlangte eine Reform des IPCC. Die Beiträge müssten besser kontrolliert werden. Zudem müssten Interessekonflikte der Autoren offengelegt sowie Umweltorganisationen und Unternehmen strikte herausgehalten werden. Zudem sprach er sich für eine klare Trennung von wissenschaftlicher Arbeit und politischen Funktionen aus.

Midgley bedauerte zwar den Fehler in der Prognose über die Himalaya-Gletscher. Es handle sich aber um menschliches Versagen. Die beim Verfassen des 4. Berichtes beachteten Prozeduren zur Kontrolle seien ihrer Ansicht nach ausreichend, aber in diesem Fall nicht rigoros genug umgesetzt worden.

Die Universität Bern ist unter der Leitung von Professor Thomas Stocker federführend am Teil über die wissenschaftlichen Grundlagen des IPCC-Berichtes beteiligt. Midgley ist Leiterin des Stabs dieser Arbeitsgruppe.

Klare Rollenteilung

Auch Midgley sprach sich für eine konsequente Trennung von Politik und Wissenschaft aus. Der Weltklimarat müsse die für die Politik relevanten Daten zusammenführen, den Politikern jedoch keine Vorgaben machen, erklärte sie. Diese Maxime sei aber in allen vier Berichten angewendet worden.

Ein Rücktritt von Pachauri ist für Midgley keine Option. Ähnlich hatte sich auch Stocker - Co-Leiter der Arbeitsgruppe I des IPCC - geäussert. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» gab auch er sich überzeugt, dass nicht überall die bestehenden Prozeduren mit der nötigen Konsequenz angewendet wurden.

Bei der Neuauflage des IPCC-Berichtes müsse man deshalb versuchen, noch sachgerechter zu werden und noch besser dokumentiert zu sein, rät Midgley. Durch Richtlinien für alle IPCC-Mitwirkenden könne man auch Interessenkonflikten aus dem Weg gehen.

(fkl/sda)

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