Weltweites Auftreten
Dürre-Trends von Jahrzehnten unter der Lupe
publiziert: Mittwoch, 14. Nov 2012 / 22:09 Uhr
Weltweites Auftreten von Dürren wird laut Studie überschätzt (Archivbild)
Weltweites Auftreten von Dürren wird laut Studie überschätzt (Archivbild)

Zürich/Princeton - Dürrekatastrophen wie jene in den USA im letzten Sommer scheinen sich zu häufen; der Klimawandel soll dafür verantwortlich sein. Nun zeigt jedoch eine neue Analyse der Dürre-Trends der letzten 60 Jahre, dass extreme Trockenheiten weder häufiger noch grossflächiger aufgetreten sind.

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Noch im Jahr 2007 warnte der internationale Klimarat (IPCC), dass die von Dürre betroffene Fläche «wahrscheinlich» vielerorts seit den 1970er Jahren zugenommen habe. Die diesjährige Dürre in den USA, die 80 Prozent des Landes betraf und diesem gut 10 Milliarden Dollar Einbussen bescherte, scheint ihm Recht zu geben.

Doch schon in diesem Jahr buchstabierte ein Report der Klima-Arbeitsgruppe unter Leitung der ETH-Forscherin Sonia Seneviratne zurück: Es gebe noch grosse Unsicherheiten bei den globalen Dürre-Trends, schrieben sie in einem Report.

Nun zeigen Justin Sheffield von der Princeton University und Kollegen, dass die bisherigen Modellrechnungen die Grössenordnung von Dürren deutlich überschätzt haben. Diese waren von der Annahme ausgegangen, dass allein die Temperatur die Verdunstung von Wasser beeinflusst.

Die Forscher bauten nun zusätzlich neue Daten zu Wind, Feuchtigkeit und Strahlungsintensität in die Modelle ein - die prompt kaum eine Zunahme der Trockenheit oder der betroffenen Fläche zwischen 1950 und 2008 mehr nachwiesen. Sie berichten darüber im Fachblatt «Nature».

«Die Resultate legen nahe, dass es keinen Zusammenhang zwischen Temperaturveränderungen und langfristigen Dürre-Schwankungen gibt», schreibt Seneviratne in einem Begleitkommentar in «Nature». Dies müsse eine Warnung vor Vereinfachungen der Zusammenhänge sein, wie sie insbesondere zum Wasserhaushalt getroffen worden seien.

Dürre verursacht Hitze - nicht umgekehrt

Denn in Wahrheit ist Dürre nicht eine Folge von hohen Temperaturen, sondern verursacht diese vielmehr. Wenn weniger Wasser aus dem Boden verdunsten kann, wobei dieser abkühlt, steigen die Temperaturen in der Umgebung an.

Die Studie sei nicht endgültig und schliesse nicht aus, dass Dürre-Trends mit dem Klimawandel schlimmer werden, heisst es in einer Mitteilung von «Nature». Doch es sei bedenklich, wenn Vorhersagen zu den Konsequenzen des Klimawandels auf unrealistischen Modellrechnungen basierten, schreiben die Forscher.

(alb/sda)

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