Müllberg
Elektroschrott: Westafrika teils selbst schuld
publiziert: Montag, 13. Feb 2012 / 13:50 Uhr
Steigender Verbrauch der Region lässt Müllberg wuchern.
Steigender Verbrauch der Region lässt Müllberg wuchern.

650000 bis eine Mio. Tonnen Elektroschrott fallen in Westafrika jährlich an.

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Die Hauptverantwortung für diesen Müllberg trägt die Region selbst, kommt ein Bericht der Basel-Konvention des UN-Umweltprogramms zum Schluss. «Das E-Waste-Problem dieser Region ist zum Grossteil selbst gemacht. Der illegal aus Europa importierte Elektroschrott verschärft es nur zusätzlich», erklärt Matthias Schluep, Berichtsautor und Forscher.

Benin, die Elfenbeinküste, Ghana, Liberia und Nigeria nimmt der UN-Bericht unter die Lupe - fünf Länder, in denen sich das Elektroschrott-Problem und dessen schlimme Umwelt- und Gesundheitsfolgen besonders deutlich zeigen. Die wichtigsten Importeure sind Nigeria und Ghana. «70 Prozent aller eingeführten Elektro- und Elektronikgeräte der Region sind gebrauchte Second-Hand-Produkte. Rund ein Drittel davon sind nicht funktionstüchtig und somit laut dem Basler Abkommen illegal», berichtet Schluep. Die Hälfte dieses Anteils wiederum wird repariert, bis zu 15 Prozent der Gesamtimporte sind allerdings reiner Schrott.

Raketenstart für Handy und Computer

Somit sind die gebrauchten, jedoch noch verwendbaren Importgeräte die grössten langfristigen E-Waste-Verursacher. Auch wenn Westafrika im weltweiten Vergleich mit Elektrik und Elektronik noch unterversorgt ist, steigt die Nachfrage enorm: Die Quote der Computerbesitzer hat sich seit 2000 verzehnfacht, jene der Handynutzer gar verhundertfacht. Folgen des boomenden Geräteverschleisses sind die Verseuchung vieler städtischer Regionen, in denen nicht brauchbare Teile mit unzureichenden Methoden zerlegt und endverwertet werden.

Die westafrikanischen Staaten müssen ihre Elektroschrott-Sammelsysteme verbessern, fordert der Bericht. Nigeria leistete hier Pionierarbeit, als es im Vorjahr ein Gesetz für Elektroimporte und für Elektroschrott-Management verabschiedete, die Umsetzung steht jedoch noch aus. Ghana steuert ähnliche Vorhaben an und will international mehr kooperieren. Für die Region sei es vorteilhaft, händische Arbeitsschritte selbst zu übernehmen und globale Handelspartner zu finden, schätzt der Empa-Experte. «Sammelt man genügend gebrauchte Leiterplatten, könnte man diese durchaus auf dem Weltmarkt verkaufen.»

Europas Bringschuld

Ein Freibrief für Europas Lücken in der Elektromüll-Entsorgung ist der Bericht allerdings nicht. «Drei bis fünf Prozent des E-Wastes der EU wird nach Westafrika exportiert, was jährlich 250'000 Tonnen ausmacht. Das ist mehr als die doppelte Menge des Elektroschrotts der Schweiz», verdeutlicht Schluep. Verbesserungen könnte ein im Januar 2012 verabschiedetes EU-Gesetz bringen: 45 Prozent der verkauften Neugeräte müssen ab 2016 wieder recycelt werden, ab 2019 sogar 65 Prozent. Derzeit landen alleine in Deutschland 142.000 Tonnen der Elektrokleingeräte pro Jahr in der Mülltonne statt im Recycling.

Weitere Zahlen aus dem Bericht: 75 Prozent der Elektronik-Importcontainer auf dem nach Nigeria stammen aus Europa, 15 Prozent aus Asien und je fünf Prozent aus Afrika und Nordamerika. In Ghana beträgt der EU-Anteil sogar 85 Prozent, wobei England und mit einigem Abstand Frankreich und Deutschland die wichtigsten Herkunftsländer sind. «Überraschend ist dabei, dass die Importe aus Asien neuerdings stark ansteigen», betont Schluep.

(alb/pte)

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