Feinstaub trägt Schuld an Arktisschmelze
publiziert: Donnerstag, 16. Jun 2011 / 17:34 Uhr
Feinstaub ist nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern hat auch enorme Klimawirkung.
Feinstaub ist nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern hat auch enorme Klimawirkung.

Berlin - Feinstaub trägt weit höhere Mitschuld in der Klimaerwärmung als bisher vermutet. Eine UN-Umweltprogramm UNEP präsentierte Studie zeigt, dass Dieselruss-Partikel für fast die Hälfte der Eisschmelze in der Arktis verantwortlich sind.

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Umwelt- und Verkehrsverbände fordern Sofortmassnahmen gegen den Klimakiller Russ. «Filter und Umweltzonen stellen wirksame Gegenmittel dar», so Heiko Balsmeyer, Leiter der Kampagne «Russfrei fürs Klima» vom Verkehrsclub Deutschland VCD, im Interview.

Heizung für die Pole

Feinstaub ist nicht nur ein Gesundheitsrisiko mit 4,5 Millionen Todesopfern jährlich, zeigt die Studie, sondern hat auch enorme Klimawirkung. «Russpartikel gelangen mit Winden an die Pole und überdecken dort das Eis mit einer grauen Haut. Durch das verringerte Rückstrahlvermögen schmilzt das Eis schneller. Zusätzlich bilden sich dunkle Wasserflächen, die sich im Sonnenlicht erhitzen», erklärt Balsmeyer. Ähnliches spielt sich an den Gletschern ab, vor allem im Himalaja, der das Trinkwasserreservoir für rund eine Mrd. Menschen darstellt.

Die Quelle der Russpartikel sind neben Waldbränden vor allem die Diesel-Verbrennungsmotoren. «Der grösste Anteil kommt aus den Nutzfahrzeugen im Verkehr, da vor allem bei älteren Modellen Unmengen von Russ freigesetzt werden. Doch auch Baumaschinen haben hohe Bedeutung mit einem Anteil jenseits der 30 Prozent in den Städten», so der VCD-Experte. Weitere wichtige Russerzeuger sind Schiffe und Dieselloks.

Gefilterte Zukunft

Neben der Reduzierung von Kohlendioxid muss der Klimaschutz auch kurzlebige Klimagase wie Russpartikel, Methan und Ozon bekämpfen, so die Experten. Dem UNEP-Bericht zufolge kann die globale Temperaturerhöhung bis 2050 dadurch zusätzlich um 0,5 Grad reduziert werden. Die wichtigste Massnahme sind Partikelfilter, betont Balsmeyer. «Filter können den Abgasen bis zu 99,9 Prozent der Partikel entziehen und stellen daher eine Lösung dar. Die Luft ist nachher sauberer als vor dem Kontakt mit dem Motor.»

Waren bisher aufgrund hoher Grenzwerte selbst moderne Fahrzeuge nicht automatisch mit Partikelfiltern ausgestattet, soll sich dies bald ändern. Die bald in Kraft tretende Euro-6-Norm für LKWs und PKWs tritt Ende 2014 in Kraft, die Deutsche Bahn bezieht künftig nur mehr Dieselloks mit Partikelfilter und auch die Binnen- und Seeschiffahrt ist Bewegung zu erkennen. «Weit besser als ihr Ruf sind in dieser Hinsicht auch Umweltzonen. In Berlin ging damit die Konzentration von Dieselpartikel 2010 auf die Hälfte zurück», so der Verkehrsexperte.

 

 

(fest/pte)

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