Glaube an die Wasserkraft zurückgekehrt
publiziert: Sonntag, 6. Mai 2007 / 16:42 Uhr

Chur - Im Kanton Graubünden ist nach einem zehnjährigen Stillstand der Glaube an die Zukunft der Wasserkraft zurückgekehrt. Die Endzeit-Stimmung ist verflogen: Es wird wieder investiert, denn die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert.

Die Wasserkraft als erneuerbare, CO2-freie und regulierbare Energie erlebt eine Renaissance.
Die Wasserkraft als erneuerbare, CO2-freie und regulierbare Energie erlebt eine Renaissance.
6 Meldungen im Zusammenhang
Die Klimaerwärmung durch den CO2-Ausstoss und der prognostizierte Stromengpass spätestens im Jahre 2019 haben die Energieversorgung wieder zuoberst auf die politische Agenda katapultiert. In Graubünden erlebt der Wasserkraft als erneuerbare, CO2-freie und regulierbare Energie eine Renaissance.

Zehn Jahre lang wurde kaum mehr in Kraftwerke investiert. «Weltuntergangsstimmung» habe geherrscht, sagt Karl Heiz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der in der Produktion und im Handel tätigen Rätia Energie in Poschiavo, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Strompreise steigen

Es ist nicht nur die CO2-Problematik, die der Wasserkraft Auftrieb verleiht. Die Strompreise sind gestiegen und werden nach Einschätzung der Kraftwerkbetreiber weiter steigen. Die Wirtschaftlichkeit von Investitionen werde dadurch schneller erreicht, sagt Heiz.

Die Rätia Energie investiert im Prättigau rund 50 Millionen Franken in den Anlagenausbau. Ob auch das Projekt im oberen Puschlav mit dem Höherstau des Lago Bianco am Berninapass realisiert wird, ist laut Heiz noch unsicher. Mit Investitionen bis zu 500 Millionen Franken sei das Vorhaben doch «sehr, sehr teuer».

Mit der grossen Kelle rühren die Kraftwerkgesellschaften nicht an. Es wird ergänzt und optimiert. Die Kraftwerke Zervreila verfolgen ein Ausbauprojekt im Lugnez in der Grössenordnung von 100 Millionen Franken. Die Nordostschweizerischen Kraftwerke wollen Anlagen im Albulatal für ebenfalls 100 Millionen Franken erweitern.

Im Unterengadin ist ein grenzüberschreitendes Wasserkraftwerk am Inn zwischen Martina und dem österreichischen Prutz für rund 290 Millionen Euro geplant. Die Projektunterlagen liegen zur Genehmigung bei den Behörden in der Schweiz und in Österreich.

Kantonsregierung für Ausbau

Die Energiegesellschaften schweigen aus Konkurrenzgründen über neue Projekte. «Auch wir erhalten keine Informationen», sagt Peder Plaz vom Wirtschaftsforum Graubünden. Gelegentlich tauchen in der politischen Diskussion frühere Projekte wie der Saisonspeichersee im Val Madris oder das Pumpspeicherwerk im Val Curciusa beim San Bernardinopass auf.

Die Bündner Regierung befürwortet den Ausbau der Wasserkraft. Im kantonalen Richtplan sind Gebiete mit Potenzial für die Nutzung bezeichnet. Baudirektor Stefan Engler schätzt, dass geplante Werke die Stromproduktion in Graubünden um acht Prozent erhöhen, sofern sie gebaut werden, was mit Gesamtinvestitionen von über einer Milliarde Franken verbunden wäre.

Widerstand von den Fischern

Der Widerstand gegen den Ausbau der Wasserkraft und deren Betrieb ist jedoch nicht erlahmt. Der kantonale Fischereiverband wehrt sich gegen die Zerstörung von Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen. Energie aus Wasserkraft sei alles andere als ökologisch «rein».

In einer Stellungnahme verweist der Verband auf die schädlichen Auswirkungen von Wasserstandsschwankungen, den gestörten Geschiebehaushalt sowie auf die ungenügend umgesetzten Bestimmungen über die Restwassermengen. Es sei fraglich, ob die Wasserkraft wirklich eine so «reine Weste» habe, wie deren Produzenten behaupteten.

(Von Ruedi Lämmler/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Gebirgskantone wollen ... mehr lesen
Die Stromkosten würden damit um etwa 0,3 Rappen pro Kilowattstunde erhöht.
Die Axpo fordert indirekt eine Änderung der Rahmenbedingungen.
Bern - Der Energiekonzern Axpo ... mehr lesen
Green Investment Paris - Bundesrat Moritz Leuenberger hat das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit an der ... mehr lesen
Bundesrat Leuenberger nahm an Ministerkonferenz der Internationalen Energie-Agentur teil.
Der Schweizer Delegationsleiter Franz Perrez äusserte sich enttäuscht: Der Text sei unausgewogen und hätte stellenweise Rückschritte bedeutet.
New York - Die UNO-Kommission für ... mehr lesen
Brüssel - Die Europäische Kommission fördert erneuerbare Energien und das ... mehr lesen
Bis zum Jahre 2020 soll die Produktion 20 Prozent des Verbrauchs decken.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Branche rechnet mit dem Bau von fünf Gaskombikraftwerken. (Bild: Geplantes Werk in Chavalon)
Bern - Um die drohende Stromlücke in der Schweiz abzuwenden, rechnen die Verbundunternehmen der Strombranche mit Investitionen von rund 30 Mrd. Franken bis zum Jahr 2035. Dazu ... mehr lesen
Das Great Barrier Reef ist das grösste Korallenriffsystem der Welt.
Das Great Barrier Reef ist das grösste ...
Mehr als ein Drittel schon tot oder dabei abzusterben  Sydney - Wie befürchtet hat die massive Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien verheerende Folgen. In der Nord- und Zentralregion seien mehr als ein Drittel der Korallen schon tot oder dabei, abzusterben, berichtete die James-Cook-Universität am Montag. mehr lesen 
UNO-Bericht  Sydney - Aus einem UNO-Bericht über Klimaschäden an wichtigen Tourismuszielen sind auf Druck aus Canberra alle Verweise auf Orte in Australien gestrichen worden. Wissenschaftler und Aktivisten bezeichneten die Manipulation am Freitag als «extrem verstörend». mehr lesen  
Der Griessee im Kanton Wallis wird vom Griesgletscher gespeist.
Seen würden Wassermangel lindern  Birmensdorf - Stauseen könnten in Zukunft den Wassermangel lindern, der angesichts schwindender Gletscher im Sommer zu erwarten ist. mehr lesen  
Wir ermöglichen Werbekunden die Präsentation ihrer Inhalte (Unternehmens- oder Produkteinformationen) im Look & Feel von wetter.ch. Meldungen sind je nach Rubrikenzugehörigkeit speziell gekennzeichnet. Für deren Inhalt ist ausschliesslich der jeweilige Auftraggeber verantwortlich.

NEWS BUCHEN
Wenn auch Sie Ihre aktuellen Neuigkeiten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zielgruppen- gerecht publizieren möchten, wenden Sie sich bitte an unser Verkaufsteam.

WERBUNG BUCHEN Gerne beraten wir Sie kompetent und individuell auch zu weiteren vielfältigen Werbemöglichkeiten in unserem Netzwerk.
Chris Sigrist
Chris Sigrist, sigrist@wetter.ch
Mobile +41 (0)78 648 30 22
Skype chris_vadian_net
 
News
     
Der junge Picasso - Blaue und Rosa Perode 3. Februar - 26. Mai 2019 in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel
Publinews Fondation Beyeler: 3. Februar - 26. Mai 2019  Als Kulturhöhepunkt des Jahres 2019 präsentiert die Fondation Beyeler Pablo Picassos frühe Meisterwerke der sogenannten Blauen und Rosa Periode in ... mehr lesen
Publinews Uhrenmuseum Beyer  Das Uhrenmuseum Beyer gilt als eine der grossen Attraktionen Zürichs. Es befindet sich an der berühmten Einkaufsmeile inmitten von Zürich und ist durch das Ladenlokal ... mehr lesen
Ausstellung: «Die Katze. Unser wildes Haustier»
Publinews Ausstellung im Naturmuseum Thurgau  Die Katze ist das beliebteste Haustier in der Schweiz. Mal ist sie anschmiegsam, oft distanziert, immer ist sie eigenwillig. Die neue Sonderausstellung im Naturmuseum ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF