Reaktorunfall in Fukushima
Green-Cross präsentiert in Zürich Messresultate von Fukushima
publiziert: Samstag, 30. Jan 2016 / 16:35 Uhr
Auch Gebiete ausserhalb der Sperrzone sind verseucht.
Auch Gebiete ausserhalb der Sperrzone sind verseucht.

Zürich - Knapp fünf Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima sind auch Gebiete ausserhalb der Sperrzone noch radioaktiv verseucht. Das zeigen Messungen von Green-Cross, die am Samstag an der ETH Zürich anlässlich einer Tagung präsentiert wurden.

2 Meldungen im Zusammenhang
Der höchste Strahlungswert von 4,01 Mikrosievert pro Stunde wurde in der verlassenen Stadt Tomioka gemessen, wie die Umweltorganisaiton Green-Cross Schweiz mitteilte. Laut dem Kernphysiker Stephan Robinson entspricht dies einer Jahresdosis von 35 Millisievert oder dem 35-fachen der internationalen Dosislimite für die Bevölkerung.

Aber auch ausserhalb des Sperrgebietes seien Dosisraten von bis zu 20 Millisievert pro Jahr gemessen worden, stellte der Bereichsleiter (Wasser, Abrüstung) von Green-Cross fest. Die Analysen der Bodenproben zeigten zudem eine massive Überschreitung der Grenzwerte bei Alpha- und Bethastrahlern. Diese seien besonders gefährlich, wenn sie über Lebensmittel in den Körper gelangten.

Eine Rückkehr in Gebiete ausserhalb der Sperrgebiete sei auch heute noch mit Risiken verbunden. Lokale Erzeugnisse seien durch radioaktive Stoffe bedroht, die sehr langlebig und «unregelmässig wie Flecken auf einem Leopardenfell» verteilt seien.

Für die Bevölkerung bestehe die Gefahr von gesundheitlichen Spätschäden wie Krebs und genetischen Anomalien. Dies vor allem deshalb, weil die Menschen nicht hohen Strahlendosen ausgesetzt seien, aber chronisch belastet würden und das Risiko der Aufnahme von Radioaktivität durch die Nahrung hoch sei.

Laut Robinson werden Kompensationszahlungen nur im Fall von Evakuierungen geleistet. Dies gelte derzeit für die im Jahr 2011 erlassenen Sperrgebiete, jedoch nicht für andere, sichtlich belastete Gebiete, wie Koriyama in der Präfektur Fukushima, aus dem zwei Proben von Green-Cross stammen.

Japan plane jedoch Anfang 2018 die Aufhebung des Evakuierungsbefehls für mehrere kontaminierte Sperrgebiet. Damit würden für 50'000 Personen die Kompensationszahlungen aufgehoben. Dies sei aus Sicht von Green-Cross nicht vertretbar, sagte Robinson.

Den Glauben an Kernenergie verloren

Bis zur Fukushima-Katastrophe habe er geglaubt, die Kernenergie sei eine fortgeschrittene Technologie und man müsse nur sorgfältig damit umgehen, sagte der frühere Premierminister von Japan, Naoto Kan, an der Green-Cross-Tagung. Der Unfall habe seine Sichtweise grundlegend verändert. Heute halte er die Atomenergie für die gefährlichste Form der Energiegewinnung.

«Eindeutig falsch» sei auch die Behauptung, Kernenergie sei günstiger als Öl oder Erdgas. Rechne man die Entschädigungsgelder bei Unfällen oder die Kosten für die Endlagerung mit ein, sei sie teurer als Öl oder Erdgas.

Hätte der Unfall von Fukushima nur etwas grössere Ausmasse gehabt, hätte man laut Kan Menschen in einem Umkreis von 250 Kilometern langfristig evakuieren müssen. Damit wären der Raum Tokio und 50 Millionen Menschen betroffen gewesen. «Diese Erkenntnis», so der ehemalige Premierminister, «sollten dazu führen, die Atomenergie aufzugeben, weil sie weder wirtschaftlich, sauber noch sicher ist».

Drei schwere Unfälle in 60 Jahren

Laut Vladimir Kusnetsow von der russischen Akademie der Naturwissenschaften ist die «Wahrscheinlichkeit von weiteren Reaktorunfällen zunehmend». Die hypothetische Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit einer grossen Havarie mit Austritt einer erheblichen Menge radioaktiver Stoffe nicht grösser sei als ein Fall auf 20'000 Reaktorjahre, habe sich als falsch erwiesen.

Innerhalb von nicht einmal 60 Jahren sei es bei einer Gesamtbetriebsdauer der Kernenergieblöcke der Atomkraftwerke von knapp über 15'000 Reaktorjahren zu drei schweren Unfällen gekommen, bei denen die aktive Zone der Kernreaktoren geschmolzen sei. Die daraus entstandenen wirtschaftlichen Schäden bezifferte Kusnetsow auf hunderte Millionen Dollar.

Green Cross wurde vom ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow gegründet. Die Umweltorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, Folgeschäden von Industrie- und Militärkatastrophen wie etwa der Atomkatastrophe von Tschernobyl zu lindern.

(sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Tokio - Über vier Jahre nach der Massenumsiedlung von Bewohnern ... mehr lesen
Vier Jahre nach dem Drama ist die Evakuierungsanordnung aufgehoben.
Fukushima: Ist radioaktiv verseuchtes Wasser in den Boden gelangt? (Symbolbild)
Tokio - Die Serie gravierender Pannen in der schwer beschädigten japanischen Atomanlage Fukushima reisst nicht ab. In der Nacht traten möglicherweise bis zu 120 Tonnen radioaktiv verseuchtes ... mehr lesen
Ein männliches und ein weibliches Tier wurden bereits im vergangenen Jahr in dieser Gegend registriert.
Ein männliches und ein weibliches Tier wurden ...
Abschuss noch kein Thema  Sitten - Seit Anfang Jahr wurden im Oberwallis mehrere Schafe von Wölfen gerissen. Zur letzten Attacke kam es in der Nacht auf Montag. Das Rissmuster deutet auf einen Wolf hin. mehr lesen 
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen verkaufen müssen. Darauf haben sich die eidgenössischen Räte geeinigt. Der ... mehr lesen
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke waren im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie ursprünglich nicht vorgesehen.
Das Great Barrier Reef ist das grösste Korallenriffsystem der Welt.
Mehr als ein Drittel schon tot oder dabei abzusterben  Sydney - Wie befürchtet hat die massive Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien verheerende ... mehr lesen  
Diesel-Abgaswerte  Frankfurt - Daimler setzt nach eigenen Angaben als erster Autohersteller auf Partikelfilter bei Benzinmotoren. Das Vorhaben ist Teil einer Investition in Höhe von drei ... mehr lesen
Daimler stockt auf.
Wir ermöglichen Werbekunden die Präsentation ihrer Inhalte (Unternehmens- oder Produkteinformationen) im Look & Feel von wetter.ch. Meldungen sind je nach Rubrikenzugehörigkeit speziell gekennzeichnet. Für deren Inhalt ist ausschliesslich der jeweilige Auftraggeber verantwortlich.

NEWS BUCHEN
Wenn auch Sie Ihre aktuellen Neuigkeiten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zielgruppen- gerecht publizieren möchten, wenden Sie sich bitte an unser Verkaufsteam.

WERBUNG BUCHEN Gerne beraten wir Sie kompetent und individuell auch zu weiteren vielfältigen Werbemöglichkeiten in unserem Netzwerk.
Chris Sigrist
Chris Sigrist, sigrist@wetter.ch
Mobile +41 (0)78 648 30 22
Skype chris_vadian_net
 
News
     
Rudolf Stingel: Untitled, 2013, Öl auf Leinwand, Foto: Christopher Burke Studio
Publinews Fondation Beyeler: 26. Mai - 5. Oktober 2019  Mit dem zeitgenössischen Maler Rudolf Stingel widmet die Fondation Beyeler ihre Sommerausstellung 2019 einem der höchstgehandelten Namen auf dem ... mehr lesen
Publinews Uhrenmuseum Beyer  Das Uhrenmuseum Beyer gilt als eine der grossen Attraktionen Zürichs. Es befindet sich an der berühmten Einkaufsmeile inmitten von Zürich und ist durch das Ladenlokal ... mehr lesen
Ausstellung: «Die Katze. Unser wildes Haustier»
Publinews Ausstellung im Naturmuseum Thurgau  Die Katze ist das beliebteste Haustier in der Schweiz. Mal ist sie anschmiegsam, oft distanziert, immer ist sie eigenwillig. Die neue Sonderausstellung im Naturmuseum ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF