Forscher entdecken
Grosse Schmelzwasser-Seen unter dem Grönland-Eis
publiziert: Mittwoch, 21. Jan 2015 / 19:47 Uhr
Schmelzwasser-Seen, welche sich in kurzer Zeit entleeren und wieder auffüllen.
Schmelzwasser-Seen, welche sich in kurzer Zeit entleeren und wieder auffüllen.

Columbus/Ithaca - Forscher haben unter dem Grönländischen Eisschild Hinweise auf grosse Schmelzwasser-Seen gefunden, die sich binnen kurzer Zeit entleeren und wieder auffüllen können. Sie werten die Beobachtung als weiteren Hinweis für die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels.

4 Meldungen im Zusammenhang
Das berichten zwei Teams von US-Wissenschaftlern in den Fachzeitschriften «Nature» und «The Cryosphere». Die in den Schmelzwasser-Massen gespeicherte Wärme drohe Teile des Eisschilds innen auszuhöhlen, mahnen die Forscher. Zudem könne das Wasser auf dem Felsbett unter den Gletschern den Eisfluss beschleunigen.

Die in «The Cryosphere» beschriebene Entdeckung machte ein Team um Ian Howat von der Ohio State University in Columbus, das eigentlich mit Satelliten- und Luftaufnahmen an einer Karte des Eisschildes arbeitete. Im Südwesten der Insel fanden die Forscher 50 Kilometer von der Küste entfernt einen 70 Meter tiefen Krater von rund 2 Kilometern Durchmesser.

Die etwa 25 Milliarden Liter Wasser, die sich vermutlich im Lauf von mehr als 40 Jahren ansammelten, seien im Herbst 2011 wahrscheinlich binnen weniger Wochen verschwunden, schreiben sie.

Signal für fundamentale Veränderung im Eisschild

«Die Tatsache, dass der See für mehrere Dekaden stabil war und dann nach einigen sehr heissen Sommern innerhalb von wenigen Wochen oder schneller ablief, könnte ein Signal dafür sein, dass im Eisschild eine fundamentale Veränderung stattfindet», wird der Glaziologe Howat in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.

Der schnelle Abfluss des Wassers sei nach geologischen Massstäben bemerkenswert - und katastrophal, so Howat. Möglicherweise gebe es Tausende solcher Seen entlang der Küste.

Der andere See, der im Nordosten Grönlands liegt, füllte und leerte sich zweimal innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Für die Autoren der in «Nature» vorgestellten Studie um Michael Willis von der Cornell University in Ithaca im US-Staat New York zeigt dies, dass Schmelzwasser von der Oberfläche des Eisschilds unter der Oberfläche der Gletscher Seen bildet.

Mit dem Wasser gelange Wärme unter den Eisschild, bis zur Grenze zwischen Eis und Felsbett. «Diese Wärme, die vom eingeschlossenen Schmelzwasser ausgeht, weicht das umgebende Eis auf, was zu einer Erhöhung des Eisflusses führen kann», sagt Willis, der das zeitweilig bis zu 75 Meter tiefe und 8,4 Quadratkilometer grosse Loch entdeckte.

Bis 2014 beobachtete der Geologe, wie Schmelzwasser im Sommer in Spalten rund um das Loch floss und den See teilweise wieder auffüllte.

Abflusskanäle unter dem Eisschild vermutet

«Jeden Sommer sehen Wissenschaftler, wie sich strahlend blaue Ströme auf dem grönländischen Eis bilden, wenn warme Luft den Schild schmilzt. Was aber mit dem Wasser passiert, das in den Spalten verschwindet, war unklar», erläutert Co-Autorin Robin Bell von der Columbia University in New York. «Die Entdeckung, dass Wasser in Seen unterhalb des Eises gespeichert werden kann, zeigt, wie die Wasserzufuhr auf der Oberfläche mit der Wasserzufuhr am Grund verbunden ist.»

Das Team schätzt, dass sich der subglaziale See seit seiner Entleerung 2011 wieder um die Hälfte gefüllt hat. Damals sei das Wasser mit einem Volumen von 215 Kubikmetern pro Sekunde aus dem See geströmt. Jedes Mal, wenn sich der unterirdische See nun erneut fülle, gelange mehr latente Wärme in das Innere des Eisschildes. Die Forscher vermuten, dass unterhalb des Schildes Abflusskanäle liegen.

In den vergangenen Jahren ist auch die Zahl der oberirdischen Seen auf Grönland stark gestiegen und das auch in höheren Lagen des Landesinneren. Sollte auch das Wasser dieser Seen unter den Eisschild fliessen, wären die Auswirkungen des Klimawandels in der Region noch gravierender als bislang angenommen.

Mit einer Ausdehnung von 1,8 Millionen Quadratkilometern ist der Grönländische Eisschild die weltweit zweitgrösste permanent vereiste Fläche nach dem Antarktischen Eisschild. Derzeit beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit den Bewegungen des Schmelzwassers unter dem Schild. Dies könnte ein entscheidender Faktor für das Fliessen der Gletscher zum Meer sein.

(jbo/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese wetter.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Der Firn des Grönländischen ... mehr lesen
Das Eis in Grönland schwindet immer mehr.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Meeresspiegel um rund 20 Zentimeter angestiegen. (Smybolbild)
Canberra - Die Meeresspiegel sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts um 20 Prozent gestiegen. Verantwortlich für diesen noch nie dagewesenen Anstieg sind laut einer Studie der Australian ... mehr lesen
In fünf Jahren haben die Gletscher jährlich etwa 30 Millionen Tonnen Wasser ans Meer abgegeben.
Zürich - Viel stärker als der Eisschild Grönlands tragen die davon losgelösten Gletscher zum Anstieg des globalen Meeresspiegels bei. Dies fanden Zürcher und dänische Forscher ... mehr lesen
Das Great Barrier Reef ist das grösste Korallenriffsystem der Welt.
Das Great Barrier Reef ist das grösste ...
Mehr als ein Drittel schon tot oder dabei abzusterben  Sydney - Wie befürchtet hat die massive Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien verheerende Folgen. In der Nord- und Zentralregion seien mehr als ein Drittel der Korallen schon tot oder dabei, abzusterben, berichtete die James-Cook-Universität am Montag. mehr lesen 
UNO-Bericht  Sydney - Aus einem UNO-Bericht über Klimaschäden an wichtigen Tourismuszielen sind auf Druck aus Canberra alle Verweise auf Orte in Australien gestrichen worden. Wissenschaftler und Aktivisten bezeichneten die Manipulation am Freitag als «extrem verstörend». mehr lesen  
Der Griessee im Kanton Wallis wird vom Griesgletscher gespeist.
Seen würden Wassermangel lindern  Birmensdorf - Stauseen könnten in Zukunft den Wassermangel lindern, der angesichts schwindender ... mehr lesen  
Wir ermöglichen Werbekunden die Präsentation ihrer Inhalte (Unternehmens- oder Produkteinformationen) im Look & Feel von wetter.ch. Meldungen sind je nach Rubrikenzugehörigkeit speziell gekennzeichnet. Für deren Inhalt ist ausschliesslich der jeweilige Auftraggeber verantwortlich.

NEWS BUCHEN
Wenn auch Sie Ihre aktuellen Neuigkeiten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zielgruppen- gerecht publizieren möchten, wenden Sie sich bitte an unser Verkaufsteam.

WERBUNG BUCHEN Gerne beraten wir Sie kompetent und individuell auch zu weiteren vielfältigen Werbemöglichkeiten in unserem Netzwerk.
Chris Sigrist
Chris Sigrist, sigrist@wetter.ch
Mobile +41 (0)78 648 30 22
Skype chris_vadian_net
 
News
         
Ausstellung von Jayn Erdmanski: Strange Theory of Light and Matter
Publinews Galerie vor der Klostermauer: 25. Okt. bis 17. Nov. 2019  Die St.Galler Künstlerin Jayn Erdmanski zeigt ab 25. Oktober ihre neuen Arbeiten in der Galerie vor der Klostermauer. In der ... mehr lesen
Resonating Spaces
Publinews Fondation Beyeler: 6.10.2019 ? 26.1.2020  Leonor Antunes, Silvia Bächli, Toba Khedoori, Susan Philipsz, Rachel Whiteread - Die Herbstausstellung der Fondation Beyeler ist fünf zeitgenössischen Künstlerinnen ... mehr lesen
Publinews Ab in die römische Antike!  Der grösste Silberschatz der Antike, das imposante Theater, das romantische Römerhaus, spannende Mitmach-Aktionen, tolle Picknickplätze ... mehr lesen
Publinews Ausstellung bis 9. August 2020  Sitzt du noch oder bewegst du dich schon? Eine Ausstellung im Anatomischen Museum Basel thematisiert die Auswirkungen sportlicher Betätigung auf ... mehr lesen
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, ... mehr lesen
Publinews Atzmännig, bekannt als Freizeitparadies vor den Toren Zürichs, mit seiner Rodelbahn, dem Freizeitpark und Seilpark, bietet Spass und Nervenkitzel mitten in der Natur. ... mehr lesen
Beyer Uhrenmuseum
Publinews Uhrenmuseum Beyer Zürich  Das Uhrenmuseum Beyer gilt als eine der grossen Attraktionen Zürichs. Es befindet sich an der berühmten Einkaufsmeile inmitten von Zürich an der Bahnhofstrasse 31 und ... mehr lesen
Ausstellung: «Die Katze. Unser wildes Haustier»
Publinews Ausstellung im Naturmuseum Thurgau  Die Katze ist das beliebteste Haustier in der Schweiz. Mal ist sie anschmiegsam, oft distanziert, immer ist sie eigenwillig. Die neue Sonderausstellung im Naturmuseum ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF