Invasion der Riesentintenfische
publiziert: Sonntag, 29. Jul 2007 / 14:57 Uhr / aktualisiert: Montag, 30. Jul 2007 / 13:05 Uhr

Monterey - Veränderte Lebensbedingungen haben dafür gesorgt, dass die Humboldt-Riesenkalmare ihre Stamm-Heimat im Pazifik vor der Küste Südamerikas verlassen haben und in rauen Mengen vor der Küste Kaliforniens auftreten.

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Die bis zu 50 Kilogramm schweren und bis zu zwei Meter langen Tiere fressen auf ihrem Weg alles auf, was kleiner ist als sie selbst. Nun bedrohen sie die kommerziellen Fischgründe Kaliforniens, berichtet das Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS.

Die mexikanischen Fischer nennen die Humboldt-Riesenkalmare (Dosidicus gigas) rote Teufel. «Sie fressen alles, was sich ihnen in den Weg stellt und machen nicht einmal vor ihresgleichen halt», so Bruce Robinson, Meeresbiologe am berühmten Monterey Bay Aquarium Research Institute in Kalifornien. «Ein verletztes Tier wird sofort von den Artgenossen verspeist.»

Die Gründe, warum die Mollusken ihre Heimat verlassen haben, liegen in den veränderten Umweltbedingungen, weniger Fressfeinde wie etwa Haie und Tunfische sowie der generellen Flexibilität dieser Lebewesen, meint Robinson. «Das lässt diese Spezies expandieren.» Bei ihrer Wanderung sind die Kalmare zudem sehr schnell: Sie schaffen Geschwindigkeiten von bis zu 43 Kilometer pro Stunde.

Analyse von Videoaufnahmen

Bereits in den 1970er Jahren haben mexikanische Fischer festgestellt, dass die Kalmare bis zum Golf von Kalifornien schwimmen. 20 Jahre später haben kalifornische Fischer die ersten Tiere vor der Küste gefangen und sogar vor der Küste Alaskas erstmals gesichtet. Um die Migration der Kalmare genau zu dokumentieren, haben Robinson und sein Kollege Lou Zeidberg Videoaufnahmen aus unbemannten U-Booten, die über 16 Jahre hinweg vor der Küste Zentralkaliforniens aufgezeichnet wurden, analysiert.

Die Videos machten deutlich, dass es im El Nino-Jahr 1997 zu einem extremen Anstieg der Tiere gekommen war. Damals beobachteten die Wissenschaftler eine Umkehr der Meeresströmungen von Süd nach Nord und einen generellen Anstieg der Temperaturen. Bis 2002, einem weiteren El-Nino-Jahr, verschwanden die Tiere dann schliesslich komplett. Doch seit damals schienen die Kalmare Gefallen an ihrer neuen Heimat gefunden zu haben.

Vorteile für Generalisten

«Jedes Mal, wenn die Humboldt-Kalmare auftauchten, verschwanden die häufigsten kommerziellen Fische der Westküste von den Video-Aufnahmen», berichtet Robinson. Bei der Nahrungswahl sind die Mollusken Generalisten. «Auch das verschafft ihnen grosse Vorteile», meint Zeidberg.

Dass es die Wassertemperaturen allein sind, die die Kalmare in Richtung Norden treiben, glauben die Forscher nicht. Nach dem Ende des El Nino im Jahr 2002 kühlte das Wasser des Pazifiks extrem ab. Die Tiere blieben dennoch vor der Küste Kaliforniens und vermehrten sich sogar. Selbst in ihrer tropischen Stammheimat leben die Kalmare im kalten Wasser, in Tiefen von tausend Metern.

Der Meeresbiologe Bill Gilly von der Stanford University, der die Verbreitung der Humboldt-Kalmare mit technischen Mitteln genau verfolgen will, sieht in der Flexibilität der Mollusken auch ihren Siegeszug. «Während Nahrungsspezialisten in den Ozeanen immer mehr verschwinden, haben Generalisten die bessere Ausgangsposition.» Das sei in allen Weltmeeren zu beobachten.

(bert/pte)

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