Ohne Nachhaltigkeit kein Leben
publiziert: Sonntag, 6. Mai 2007 / 09:40 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 6. Mai 2007 / 13:35 Uhr

Papeete/Paris - Um das Überleben auf den entlegenen Tuamotu-Inseln in Französisch-Polynesien zu gewährleisten, wurde die Tuamotu Biosphere Reserve ins Leben gerufen. Diese Schutzzone soll den Menschen auf den flachen Atollen auch in Zukunft eine Versorgung mit den wichtigsten Ressourcen wie etwa Fisch ermöglichen.

Fischfang und Landwirtschaft soll nur noch in bestimmten Zonen betrieben werden.
Fischfang und Landwirtschaft soll nur noch in bestimmten Zonen betrieben werden.
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Im Zentrum des Biosphären-Parks steht das zweitgrösste Atoll Französisch Polynesiens, das 60 Kilometer lange und 25 Kilometer breite rechteckige Fakarava. Die Insel ist wegen ihrer Unterwasserwelt, aber auch wegen der schwarzen Perlen zu einem gefragten Tourismusziel geworden.

«Die Leute haben verstanden, dass sie schnell etwas tun müssen», meint Günter Hellberg, Architekt und Perlenzüchter, im Gespräch mit pressetext. Hellberg lebt seit vielen Jahren in Französisch Polynesien und ist häufig Dolmetscher für all jene Interessierten, die kein Französisch sprechen. «Die Einheimischen haben bemerkt, dass das Ökosystem hier sehr fragil ist. So war innerhalb kürzester Zeit der Bestand an Langusten leergefischt, weil es grosse Nachfrage gab», erklärt Hellberg.

«Man and Biosphere»

Die UNESCO habe die Inselwelt als schützenswert eingestuft - aufgrund der aussergewöhnlichen Flora und Fauna. Fakarava ist seit etwa fünf Jahren eine exklusive Tourismusdestination. «Hier her kommt, wer die aufregende Unterwasserwelt kennenlernen will», meint Ato Lenoir, Vorsitzender der Fakarava Biosphere und Betreiber der kleinen Pension Paparara. Das Besondere an dem Projekt ist das «Man and Biosphere» - also Menschen, die Bestandteil der Biosphäre sind und mit ihr leben lernen sollen. «Die Biosphäre also nicht abgegrenzt von den Menschen sondern Bestandteil ihres Lebens, das sich dann auch danach richtet, indem die Menschen ihre Umwelt aus egoistischen Gründen zu schützen lernen», meint Ato.

Die grosse Lagune von Fakarava wurde in drei verschiedene Zonen geteilt: in eine Wirtschaftszone, in der Menschen leben und täglich Fischfang betreiben, in eine Übergangszone, in der die Aktivitäten nur eingeschränkt erlaubt sind, und in eine Schutzzone, die praktisch tabu ist. «Eine solche Einteilung ist sehr vernünftig», meint Georg Kääb, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Biologen http://www.vdbiol.de , im pressetext-Gespräch. Die Idee, einfach einen Zaun um ein Territorium zu ziehen, sei nämlich nicht sinnvoll. «Die Natur hat sich immer dynamisch weiterentwickelt - inklusive der Menschen, die dort leben, Ackerbau und Viehzucht betreiben und fischen.» Es gehe in erster Linie darum, das gesamte Handeln nachhaltiger zu gestalten.

Lockung der Perlen

Die Tuamotu Biosphäre umfasst derzeit sieben Atolle mit einer Lagunenfläche von 2.842 Quadratkilometern mit nur 118 Quadratkilometern Landfläche. «An der Schaffung der Schutzzone haben die Bewohner der Inseln auch tatkräftig mitgewirkt», berichtet Ato. Das beinhaltet auch die grösseren Unterkünfte wie etwa das 30-Bungalow umfassende Le Maitai Dream Hotel. «Tourismus boomt hier, denn der 800 Meter breite Nguere Pass, eine der beiden Riffpassagen des Atollrings, ist nur wenige Kilometer vom Flughafen und damit auch von den Unterkünften entfernt», erklärt Ato. In der Passage könne man das ganze Jahr über Grossfische wie etwa Hammerhaie oder Schildkröten beobachten. «Wir nennen das Gebiet die blaue Lagune», meint Ato stolz.

«Eigentlich waren es die Perlen, die die Menschen wieder hier her auf die Atolle zurückgebracht haben. Vor 25 Jahren haben nur noch 200 Menschen auf Fakarava gelebt, heute sind es wieder 900», so Hellberg. Die Entwicklung sei positiv, denn dadurch wandern nicht alle nach Tahiti ab. «Auch die Touristen sind wichtig, denn sie fördern Aktivitäten und damit auch den Aufbau des Biosphären-Parks», meint Ato. Die Regierung von Französisch Polynesien hat seit jeher strenge Umweltauflagen für Hotels eingeführt, bemerkt Hellberg. Dazu gehören eine Kläranlage, eine Osmose-Entsalzungsanlage zur Meerwasseraufbereitung sowie eine Müllverbrennungsanlage.

(ht/pte)

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