Dauerregen
Schweiz übersteht Dauerregen einigermassen gut
publiziert: Sonntag, 2. Jun 2013 / 18:58 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 2. Jun 2013 / 23:28 Uhr

Bern - In weiten Teilen der Deutschschweiz hat der intensive Regen am Morgen ausgesetzt, gegen Abend meldeten die meisten Kantone eine Entspannung der Hochwassersituation. MeteoSchweiz bezeichnete den Dauerregen zwischen Freitag und Sonntag als «aussergewöhnlich, aber kein Rekordereignis».

12 Meldungen im Zusammenhang
Am stärksten betroffen von der Regenmenge und deren Folgen war die Ostschweiz: In St.Gallen regnete es mit 140 Litern pro Quadratmeter zwar weniger als an anderen Orten. Mit Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre könne man aber von einem Ereignis sprechen, wie es in St.Gallen nur alle 100 Jahre vorkomme, sagte Daniel Murer von MeteoSchweiz gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Experten massen Höchstwerte im sanktgallischen Weesen. Dort fielen seit Freitag 183 Liter pro Quadratmeter. Der Dauerregen, der sich von den östlichen Voralpen bis ins Berner Oberland zog, sei der in der Ausdehnung intensivste seit 2005 gewesen, sagte Murer.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schrieb am Sonntagnachmittag in einer ersten Bilanz, die Schweiz habe «das Hochwasser gut bewältigen können». Eine endgültige Schadensbilanz könne aber erst in den kommenden Tagen gezogen werden.

Pegel in Seen steigen noch an

Entwarnung gab das BAFU im Bezug auf die Situation der Fliessgewässer. Anders präsentiert sich die Situation bei den Seen, so am Bodensee, Walensee, Zürichsee und Vierwaldstättersee: «Dort steigen die Pegel bis mindestens Montag noch an», hiess es weiter.

So gilt für den Vierwaldstättersee sowie den Bodensee Gefahrenstufe 3, für den Zürichsee gar die Stufe 4. Es seien jedoch nur noch kleinere, lokale Überschwemmungen zu erwarten. Murer von MeteoSchweiz sagte, eine Gefahrenstufe 4 nach Regen in weiten Teilen der Deutschschweiz habe es zuletzt vor knapp sechs Jahren gegeben.

Buchstäblich ins Wasser fielen verschiedene Sportveranstaltungen. Wie die Organisatoren am Sonntagmorgen meldeten, musste der BMC Ironman in Rapperswil-Jona wegen eines Erdrutsches auf der Rennstrecke abgebrochen werden.

Evakuationen in Gefängnis und Jugendherberge

Von grösseren Katastrophen blieben die Kantone bisher verschont. Doch gerade die Einsatzkräfte des am stärksten betroffenen Kantons St.Gallen meldeten am späteren Sonntagnachmittag, es sei «nach wie vor sehr viel Land überflutet und die Rettungskräfte haben unzählige offene Einsätze zu bewältigen».

In Widnau SG verlegten die Behörden einige Häftlinge des Gefängnisses vorsorglich, am Sonntagmorgen meldete die Polizei dann, nach einem Dammbruch sei der Rhein über die Ufer getreten und habe einzelne Dorfteile überschwemmt. In Kaltbrunn SG riss der Dorfbach in der Nacht auf Samstag einen 72-jährigen Mann mit. Bis am Sonntag konnte der Verunfallte nicht gefunden werden.

Wegen eines drohenden Hangrutsches in Gersau SZ wurden in der Nacht auf Samstag 40 Personen einer Jugendherberge mit Booten auf dem Seeweg evakuiert. Verletzt wurde niemand.

Zwei Campingplätze in Ottenbach ZH an der Reuss und Gütighausen ZH an der Thur wurden bereits Freitagabend vorsorglich evakuiert. Letzterer stand gemäss Polizei am Samstag bereits unter Wasser.

Gesperrte Strassen, Stau und keine Züge

Der Regen beeinträchtigte auch den Strassen- und Schienenverkehr. Unzählige Neben- und Kantonsstrassen waren gemäss Viasuisse wegen Hochwasser oder Erdrutschen am Sonntagnachmittag nach wie vor gesperrt, bereits geöffnete Passstrassen wie der Gotthard wegen Lawinengefahr geschlossen.

Zudem entstand vor dem Gotthardtunnel in Richtung Süden am Samstag zeitweise ein zehn Kilometer langer Stau. Auch die Rückkehr der Sonnenhungrigen verlief am Sonntag nicht staufrei: Am Nachmittag bildete sich vor dem Tunnel in Richtung Norden eine neun Kilometer lange Blechkolonne.

Wer über die San Bernardino Route ausweichen wollte, stand kurz nach der Verzweigung Bellinzona ebenfalls still: Zwischen Lostallo und Mesocco-Süd führte eine Dauerbaustelle zu rund 6 Kilometer Stau. Das meldete Viasuisse am Sonntagnachmittag.

Die SBB hatte hauptsächlich am Samstag Streckenunterbrücke zu beklagen, so etwa im luzernischen Entlebuch zwischen Wolhusen und Schachen. Diese Strecke konnte erst ab Betriebsbeginn am Sonntagmorgen wieder befahren werden. SBB-Mediensprecher Christian Ginsig sagte am Sonntagnachmittag auf Anfrage der sda, der Bahnbetrieb funktioniere wieder einwandfrei.

Auch die Schifffahrt war auf verschiedenen Strecken unterbrochen, namentlich auf dem Rhein oder der Aare zwischen Biel und Solothurn.

Wetterbesserung in Sicht

Ab Montag darf sich die wettergebeutelte Deutschschweiz auf zunehmend trockenes Wetter und sogar einige Sonnenstrahlen einstellen, von einem richtigen Sommer kann aber noch keine Rede sein.

Erst ab Mittwoch bewegen sich die Temperaturen gemäss MeteoSchweiz um 20 bis 24 Grad. «Diese Höchstwerte liegen knapp unter dem Normalbereich», sagte Daniel Murer von MeteoSchweiz.

 

(fest/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese wetter.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern/Zürich - Die letzten zwölf Monate haben der Alpennordseite überdurchschnittlich ... mehr lesen
Insgesamt brachte das hydrologische Jahr, das von Anfang Oktober 2012 bis Ende September 2013 dauerte, in den Alpen und im Norden verbreitet 10 bis 30 Prozent mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt.
Leider keine Rheinschiffahrt im Moment. (Archivbild)
Basel - Die Rheinschiffahrt oberhalb ... mehr lesen
Bern - Der Freitag hat der kälte- und nässegebeutelten Schweiz weitherum Erleichterung gebracht. Im Wallis gab ... mehr lesen
Die Sonne zeigt sich nach langer Zeit wieder. (Archivbild)
Der Rheinpegel hatte am Samstag einen Höchststand von 9,46 Metern erreicht. (Archivbild)
Basel - Hochwasser blockiert die Schifffahrt in Basel nicht mehr: Nachdem der Rheinpegel unter 7,9 Meter gefallen war, gaben die Schweizerischen Rheinhäfen am Dienstag um 16 Uhr als ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Berlin - Die Hochwasserlage hat ... mehr lesen
Tagelanger Dauerregen lässt den Flusspegel der Donau in Passau (Bild) und Rosenheim anschwellen.
Wegen überfluteter Strassen, Wassereinbrüchen in Gebäude und wegen Hangrutschen standen in der Nacht auf Sonntag zahlreiche Einsatzkräfte im Einsatz.
Bern - Wegen des Dauerregens sind am Samstagabend in Alpthal SZ 46 Personen aus 17 Häusern evakuiert worden. Der Grund war ein drohender Hangrutsch, wie die Kantonspolizei Schwyz am ... mehr lesen
Bern - Mit einer Wetterberuhigung im ... mehr lesen
Durch die in der östlichen Schweiz zu erwartenden Niederschläge wird der Rhein noch bis voraussichtlich Anfang Woche einen hohen Wasserstand aufweisen.
Auch in Deutschland ist mit Hochwasser zu rechnen. (Archivbild)
Berlin - Die Hochwasserlage im ... mehr lesen
Bern - Die Deutschschweiz versinkt ... mehr lesen
Das Wasser greift um sich. (Archivbild)
Angesichts des stetig steigenden Pegels der Aare traf die Berufsfeuerwehr Bern am Samstagmorgen erste vorsorgliche Massnahmen.
Bern - Das Telefon bei vielen ... mehr lesen
In Süddeutschland beginnt das Aufräumen.
Während im Süden aufgeräumt wird trifft es die nächste Region  Schwäbisch Gmünd - Gewitter mit Starkregen haben in Deutschland nach den verheerenden Unwettern im Süden nun auch Nordrhein-Westfalen getroffen. Laub und Schlamm verstopften Kanalrohre, das Wasser lief über die Strassen und flutete Keller. Verletzt wurde ersten Angaben zufolge niemand. mehr lesen 
Region westlich von Houston besonders betroffen  Washington - Bei schweren Unwettern im US-Bundesstaat Texas sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Besonders betroffen war die Region westlich der Millionenstadt Houston, wie ... mehr lesen
Wasserstand steigt weiter  Heilbronn - Bei den schweren Unwettern und Überschwemmungen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg ist die Opferzahl auf vier gestiegen. Am Sonntagabend starb ein 13 Jahre altes Mädchen an einer Bahnstrecke, wie die Polizei in Aalen am Montag meldete. mehr lesen  
Wir ermöglichen Werbekunden die Präsentation ihrer Inhalte (Unternehmens- oder Produkteinformationen) im Look & Feel von wetter.ch. Meldungen sind je nach Rubrikenzugehörigkeit speziell gekennzeichnet. Für deren Inhalt ist ausschliesslich der jeweilige Auftraggeber verantwortlich.

NEWS BUCHEN
Wenn auch Sie Ihre aktuellen Neuigkeiten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zielgruppen- gerecht publizieren möchten, wenden Sie sich bitte an unser Verkaufsteam.

WERBUNG BUCHEN Gerne beraten wir Sie kompetent und individuell auch zu weiteren vielfältigen Werbemöglichkeiten in unserem Netzwerk.
Chris Sigrist
Chris Sigrist, sigrist@wetter.ch
Mobile +41 (0)78 648 30 22
Skype chris_vadian_net
 
News
   
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, ... mehr lesen
Publinews Atzmännig, bekannt als Freizeitparadies vor den Toren Zürichs, mit seiner Rodelbahn, dem Freizeitpark und Seilpark, bietet Spass und Nervenkitzel mitten in der Natur. ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF