Geologie
Seismische Abhördaten von Gletschern könnten Flutwellen vorhersagen
publiziert: Montag, 10. Nov 2014 / 12:40 Uhr
Mit dem Klimawandel werden 90 Prozent der Gletscher in den Alpen bis zum Jahr 2100 abschmelzen.
Mit dem Klimawandel werden 90 Prozent der Gletscher in den Alpen bis zum Jahr 2100 abschmelzen.

Zürich/La Jolla - Wenn Gletscher schmelzen, dann brummen sie. Die Geräusche stammen von Wasser, das durch den Gletscher rinnt. Dies berichten Forscher im Fachjournal «Geology». Sie hoffen, dass dank ihrer Erkenntnisse Flutwellen aus Gletscherseen besser vorhergesagt werden können.

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Das Brummen bemerkte das Team um Deborah Kilb von der Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien erstmals beim Gornergletscher im Wallis, wo zwischen zwei Gletscherzungen der Gornersee liegt. Die Forscher aus der Schweiz, Frankreich und den USA hatten in der Nähe des Sees Seismographen installiert, um diesen auf plötzliche Wasserausbrüche zu überwachen.

Wie nun Wasser aus dem See durch den Gletscher rieselte, zeichneten die Geräte feine, harmonische Stösse im Eis sowie Brummgeräusche auf, die von Eisbeben nahe der Basis des Gletschers stammten. Eisbeben entstehen, wenn in eine unter Spannung stehende Eisdecke Wasser eindringt und das Eis plötzlich springt oder reisst.

Flutwellen vorhersagen

Die Forscher - darunter Fabian Walter von der ETH Zürich - gehen davon aus, dass solche seismischen Daten wichtige Informationen über die Risse und den Wasserdruck in der Tiefe des Gletschers liefern. «Zukünftige Modelle dieser Prozesse könnten eine bessere Vorhersage von Gletschersee-Ausbrüchen ermöglichen», schreiben sie.

Messungen des Wasserflusses an der Oberflächen alleine genügten dazu nicht, da Wasser auch durch den Gletscher und unter ihm durch fliesse, schreiben die Autoren der Studie. Diese Flutwellen entstünden meist ohne Vorwarnung und hätten das Potenzial, in den Tälern grosse Schäden anzurichten.

Mit dem Klimawandel werden 90 Prozent der Gletscher in den Alpen bis zum Jahr 2100 abschmelzen, verkündete erst letzte Woche der Schlussbericht des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Wassernutzung» (NFP 61). Dabei dürften in den Hochalpen 500 bis 600 neue Seen entstehen, die ein hohes Risiko für Flutwellen bergen.

(flok/sda)

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