UNO: Grosse Seen statt Gletscher
publiziert: Freitag, 6. Apr 2007 / 13:39 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Apr 2007 / 18:54 Uhr

Brüssel/Bern - Pflanzen, Tiere und Milliarden von Menschen werden die Folgen des Klimawandels in den kommenden Jahren drastisch zu spüren bekommen und kein einziger Kontinent wird davon verschont. Das geht aus dem zweiten Teil des UNO-Klimaberichts hervor.

Gemäss dem UNO-Bericht dürften sich grosse Seen in Gletschergebieten bilden. (Archivbild)
Gemäss dem UNO-Bericht dürften sich grosse Seen in Gletschergebieten bilden. (Archivbild)
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Der Vorsitzende des Weltklimarates, Rajendra K. Pachauri, warnte in Brüssel vor Auswirkungen auf die Landwirtschaft und einem Ansteigen des Meeresspiegels, der eine Milliarden-Bevölkerung in den Mündungsdeltas asiatischer Flüsse treffen werde.

Wissenschafter hätten «regionale Signale» aus allen Kontinenten aufgezeichnet, sagte der stellvertretende Versammlungsleiter Martin Parry: «Wenn man diese Daten zusammenfügt, gibt es ein globales Bild.»

Ausbreitung von Krankheiten

Parry betonte: «Wir kommen zu dem Schluss, dass die vom Menschen verursachte Erwärmung sich wahrscheinlich weltweit erkennbar auf viele physikalische und biologische Systeme ausgewirkt hat.» Neue Hinweise deuteten etwa darauf hin, dass die durch Kohlendioxid ausgelöste Versauerung der Ozeane Muschelschalen zerstören.

Mit-Autor Osvaldo Canziani warnte vor der Ausbreitung von Malaria und anderen Fieberkrankheiten. «Wir müssen weniger verbrauchen, weniger Abfall produzieren und nachhaltiger leben», forderte er.

Begrenzte Ressourcen

Die Ressourcen der Erde seien begrenzt: «Wenn alle Menschen in der Welt etwa auf dem Niveau meines Landes - Argentiniens - leben wollten, bräuchten wir vier Mal die Erde.»

Über einzelne Passagen des Berichts hatten die Delegationen eine Nachtsitzung lang gestritten. Die Fachleute aus 130 Ländern hätten dem Drängen der USA und Chinas nachgegeben.

Der Bericht ist die wichtigste Studie über die Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Weltregionen seit 2001. In die Studie fliessen die Erkenntnisse von 2500 Wissenschaftern ein. Sie schliesst an einen UNO-Bericht vom Februar an, der das Ausmass der Erderwärmung im weltweiten Überblick darstellte.

WWF fordert Treibhausgassenkung

Angesichts der düsteren Prognosen des jüngsten UNO-Klimaberichtes fordert der WWF von der Schweiz eine drastische Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Der Weltklimarat der UNO rechnet mit mehr Hitze und Dürren im Alpenraum.

Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter, sondern auch die Lebensbedingungen von Menschen, Tieren und Pflanzen, wie Patrick Hofstetter, Klimawexperte vom WWF-Schweiz, in einem Communiqué schreibt.

Die schlimmsten Auswirkungen liessen sich nur verhindern, indem Industrieländer wie die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 verglichen mit 1990 um 30 Prozent reduzierten, schreibt der WWF-Schweiz. Daneben seien aber auch Massnahmen zur Verminderung von klimabedingten Schäden nötig.

Grosse Seen in Gletschergebieten

Der Bericht, der in Brüssel vorgestellt wurde, rechne für die Schweiz mit einer Ausdehnung der immergrünen Pflanzenwelt auf Kosten der heimischen Flora, schreibt der WWF. Die alpine Vegetation werde sich in immer grössere Höhen zurückziehen. Gewächse, die eher in Gipfelbereichen anzutreffen waren, dürften gar verschwinden.

Auch die Gletscher der Alpen sind stark betroffen. Kleinere dürften verschwinden, die Grossen bis 2050 um 30 bis 70 Prozent schrumpfen. So dürften sich grosse Seen bilden und damit verbunden ein erhöhtes Ausbruchs- und Überschwemmungsrisiko unterhalb solcher Seen. Zunehmen dürfte in mittleren Lagen die schneefreie Zeit.

Mehr Tage ohne Schnee

Der IPCC rechne mit 50 zusätzlichen Tagen ohne Schnee, schreibt der WWF. Aber auch in den Flüssen hat die Erwärmung Folgen. So dürften sich in der Rhone anstatt den bisherigen Arten vermehrt Fische und wirbellose Tiere tummeln, die bisher in wärmeren Gewässern heimisch waren.

Generell könnten die Alpen bis 2050 zu einer Region werden, die weltweit am meisten von Hitzewellen und Dürren betroffen sein könnte.

BAFU: Auswirkungen bereits spürbar

Der Schweizer Vertreter José Romero wertete den UNO-Bericht als ein für die Politik nützliches Instrument. Die Schweiz und die ganze Welt müssten unverzüglich nach Antworten auf den Klimawandel suchen.

Wie auch die Politik bei der Reduktion von Treibhausgasen aussehe, die Auswirkungen seien bereits heute spürbar, sagte der Delegierte für Internationales beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Nun müssten Mittel und Wege gefunden werden, sich anzupassen.

Vorstösse der Grünen

Für die Grünen zeigt der Bericht, dass es nun höchste Zeit zum handeln ist. Die Partei werde weiterhin die Massnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen fordern und fördern, heisst es in einem Communiqué.

Für die Sommersession kündigen die Grünen einen Vorstoss an, um vom Bundesrat zu fordern, dass er die Wirtschaft in der Umweltpolitik in die Pflicht nimmt. So müsse etwa die Erdölabhängigkeit verringert werden.

(ht/sda)

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