Heftige Niederschläge verursachen Chaos in der Schweiz
publiziert: Samstag, 16. Nov 2002 / 21:22 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 17. Nov 2002 / 09:08 Uhr

Bern - Die anhaltenden und heftigen Niederschläge verursachen in der ganzen Schweiz Erdrutsche und Überschwemmungen. Zahlreiche Bäche traten über die Ufer und Verkehrswege wurden durch Erdrutsche blockiert.

Besonders betroffen ist das Bündner Oberland. In Schlans im Vorderrheintal ging eine Rüfe ging mitten durch das Dorf und beschädigte Häuser. Einige Personen erlitten Verletzungen. In der gefährdeten Zone halten sich keine Personen mehr auf. Markus Reinhard. Kommandant der Kantonspolizei Graubünden, sagte in der Tagesschau von Schweizer Fernsehen DRS, es würden nach aktuellem Kenntnisstand keine Personen vermisst; allerdings könne dies nicht mit absoluter Garantie gesagt werden.

In Rueun talabwärts waren Helfer damit beschäftigt die Kantonsstrasse wieder freizumachen, als eine Nachrüfe kam. Diese hat laut Reinhard drei Baggerführer erfasst und zum Teil schwer verletzt. Sie befinden sich in Spitalpflege.

Disentis war schon am Samstagmittag nicht mehr erreichbar, weder auf der Schiene noch auf der Strasse. Zwischen Sumvitg und Disentis verschüttete eine Schlammlawine ein Fahrzeug. Die Insassen konnten sich in letzter Sekunde selber retten. Auch in Disentis hatte ein Erdrutsch ein Auto verschüttet und zahlreiche Häuser beschädigt.

Rund 50 Personen mussten evakuiert werden. Evakuationen gab es weiter in Mastrils, Curaglia und Surrein. Die Polizei sperrte weite Gebiete des Bündner Oberlandes, darunter alle Seitentäler.

Im Urnerland unterbrach ein Erdrutsch zwischen Gurtnellen und Wassen die Gotthardbahnstrecke. Die Strecke ist inzwischen wieder einspurig befahrbar. Die Simplonbahnlinie ist hingegen wegen Überschwemmungen in Iselle nicht mehr durchgehend befahrbar.

Auch der Autoverkehr auf der Gotthardachse war betroffen. Kleinere Behinderungen gab es auf der Autobahn A2. Zwischen Wassen und Amsteg konnte die Fahrbahn Richtung Nord wegen Wasser nur einspurig befahren werden.

Im Tessin, wo die Magadino-Ebene bereits seit Freitag teilweise überschwemmt ist, trat am Samstag auch der Lago Maggiore stellenweise über die Ufer. Am Nachmittag war der Pegel um rund 7 Zentimeter pro Stunde gestiegen. Am Abend trat eine leichte Wetterbesserung ein.

Im Blenio-, Morobbia-, Verzasca-, Maggia- und Bleniotal sowie in den Centovalli mussten die Kantonsstrassen gesperrt werden. Überschwemmt wurde auch die Bahnunterführung bei Riazzino. Somit ist eine zentrale Verbindung zwischen Locarno und Bellinzona nicht mehr befahrbar.

Die Nationalliga-A-Partie Ambri gegen die ZSC Lions von Samstagabend musste wegen heftiger Unwetter in der Leventina verschoben werden.

Auch im Berner Seeland und im Berner Oberland standen mehrere Wehrdienste im Einsatz. Gemäss der Kantonspolizei Bern gab es überschwemmte Strassen und Keller.

In Lully bei Genf versuchten Feuerwehren und Freiwillige, die durch Regenfälle verursachten Überschwemmungen in der Region mit Sandsäcken in Grenzen zu halten. Etwa 100 Personen mussten ihre Wohnungen vorübergehend verlassen.

(fest/sda)

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