Regierung und Unternehmen nutzen Internet-Portale

Smog-Alarm in China: Online-Aktivisten chancenlos

publiziert: Freitag, 5. Dez 2014 / 09:20 Uhr
Atemmasken: Luftverpestung in China als Begleiter.
Atemmasken: Luftverpestung in China als Begleiter.

Columbus - Chinesische Online-Aktivisten haben in Sachen Verbesserung der Luftverschmutzung nur begrenzten politischen Einfluss. Das zeigt eine Studie der Ohio State University. «Die sozialen Medien wurden als Befreiungs-Technologie für die Gesellschaft angesehen, jedoch ist dies in China noch lange nicht der Fall», so Koautor Daniel Sui.

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Die Forscher untersuchten alle Posts zum Thema Umweltverschmutzung zwischen Oktober 2012 und Juni 2013 auf Chinas grösstem Bloggerdienst, Sina Weibo. Zusätzlich reisten die Experten direkt nach China, um die Bevölkerung zu interviewen und die Berichterstattung in den Medien sowie die Stellungnahmen der Regierung und den öffentlichen Stellen zu diesem Thema zu studieren.

Über Jahrzehnte machte die Regierung das Wetter für Nebel und Staub verantwortlich und ignorierte gesundheitsgefährdende Partikel in der Luft. Als die US-Botschaft jedoch die Luftqualität von Peking auf seinem offiziellen Twitter-Kanal veröffentlichte, begann die einheimische Bevölkerung aufmerksam auf das Problem zu werden. Auf Sina Weibo fragten sich die Bürger, warum es keine offiziellen Infos über die Feinstaubbelastung vonseiten der Regierung gab und forderten die Verantwortlichen zum Handeln auf.

Manipulation öffentlicher Meinung

«Der Online-Aktivismus hatte einen Effekt. Denn schlussendlich bestätigte die chinesische Regierung das Luftverschmutzungsproblem und setzte Rahmenrichtlinien fest, an die sich die Unternehmen zu halten haben», erläutert Sui. Die sozialen Medien steigerten das öffentliche Bewusstsein und setzten somit die Regierung unter Druck, entsprechende Massnahmen umgehend einzuleiten. «In dieser Hinsicht hatten die sozialen Medien eine grosse Macht.»

Den Forschern nach haben es Unternehmen, die Regierung und auch einige Meinungsführer inzwischen geschafft, die Online-Diskussion in eine Richtung zu bewegen, in der vor allem der wirtschaftliche Profit im Vordergrund stehen. 0,1 Prozent der Weibo-User, die sich an der Verschmutzungsdiskussion beteiligen, üben über 60 Prozent des Einflusses auf die Community aus. Mehr als 80 Prozent dieser Top-Meinungsbildner gehören den Regierungsstellen, Unternehmen und anderen Organisationen an.

Unternehmen verwenden Sina Weibo, um ihre Produkte bei der besorgten Bevölkerung anzupreisen. Und die Regierung macht aus der Verschmutzung eher ein wissenschaftliches als ein politisches Problem, sagt Sui. «Die Online-Bürgerbewegung hat dazu geführt, dass die Regierung mit dem Problem der Umweltverschmutzung anders umgeht, jedoch verwenden Unternehmen und Regierung die gleichen Online-Werkzeuge, um ihre Agenden wirkungsvoll an den Mann zu bringen», so Sui abschliessend.

(bert/pte)

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