Ölpest im Nigerdelta

UNO berichtet von riesiger Ölverschmutzung bei Niger

publiziert: Freitag, 5. Aug 2011 / 16:29 Uhr
Die UNO berichtet von Schäden in Milliardenhöhe im Nigerdelta (Symbolbild).
Die UNO berichtet von Schäden in Milliardenhöhe im Nigerdelta (Symbolbild).

London - Schmutziges Trinkwasser, verseuchte Böden und Krebsgefahr: Die Schäden und Gefahren durch schonungslose Erdölförderung im Nigerdelta werden erst in 25 bis 30 Jahren wieder behoben sein.

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Davon geht ein Bericht des UNO-Umweltprogrammes (UNEP) aus, der am Donnerstag dem nigerianischen Staatspräsidenten Goodluck Jonathan übergeben und am Freitag in London vorgestellt wurde. Der lange erwartete Bericht fiel damit deutlich negativer aus, als erwartet.

Laut den UNEP-Experten geht der Schaden in die Milliarden. Neben den Beeinträchtigungen des Trinkwassers und damit der Gesundheit der Menschen seien vor allem die Mangrovenwälder in Gefahr, heisst es in dem Bericht.

Der in der Gegend gefangene Fisch sei zwar verzehrbar, weil sich die Tiere saubere Gewässer suchen. Die Existenz der örtlichen Fischer sei aber wegen der Abwanderung der Schwärme gefährdet.

Die schlimmsten Schäden könnten bei ernsthaftem Bemühen in fünf Jahren behoben werden. Die Renaturierung dauere Jahrzehnte. Jedoch müssten zunächst dringend die Lecks in den Leitungen gestopft werden, um weitere Verunreinigungen zu stoppen.

UNEP empfiehlt die Einrichtung eines Sonderfonds für Ogoniland, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar einzahlen sollten.

Hoher Preis

Der UNEP-Bericht bringt die nigerianische Regierung und den Ölriesen Shell in Bedrängnis. Für die Ölförderung im nigerianischen Ogoniland ist vor allem der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell gemeinsam mit der staatlichen nigerianischen Ölgesellschaft verantwortlich.

Shell hatte die Ölförderung im Ogoniland 1993 nach Massenprotesten der einheimischen Bevölkerung eingestellt. Es werden aber weiterhin Pipelines und Raffinerien betrieben.

Shell übernahm die Verantwortung für zumindest zwei Öllecks. «Wir werden weiter mit unseren Partnern in Nigeria, darunter die Regierung, zusammenarbeiten, um die Probleme zu lösen und die nächsten Schritte unternehmen, um Ogoniland aufzuräumen», hiess es in einer Stellungnahme der Shell Petroleum Development Company of Nigeria (SPDC).

Unzureichende Wartung

Aus den Leitungen und Raffinerieanlagen tritt aber noch immer Öl aus. «Die Ölförderung ist für mehr als 50 Jahre eine Schlüsselindustrie für die nigerianische Wirtschaft gewesen. Aber viele Nigerianer haben einen hohen Preis bezahlt, wie diese Untersuchung zeigt», sagte der Exekutivdirektor des UNO-Umweltprogrammes, Achim Steiner.

Die Wartung der Anlagen sei völlig unzureichend. Shell habe nicht einmal die konzerneigenen Vorgaben für Gesundheitsschutz und Sicherheit eingehalten. Teils wurden in Dörfern des Gebiets Werte des krebserregenden Giftes Benzen gemessen, die den von der Weltgesundheitsorganisation genannten Höchstwert um das 900fache überschreiten.

Taten gefordert

Die UNO habe eine wissenschaftliche Basis geliefert, auf deren Grundlage Betroffene rechtliche Forderungen stellen könnten, sagte der bekannte Menschenrechtsanwalt Femi Falana am Freitag.

Die Bewegung für das Überleben der Ogoni-Bevölkerung begrüsste den UNEP-Bericht, nannte ihn aber nicht ausreichend. Nötig sei eine «Säuberung unserer zerstörten Umwelt und nicht bloss eine Studie die uns sagt, was wir bereits wissen». Die Gruppe rief auch dazu auf, Shell die Förderlizenzen in dem Land zu entziehen.

Ogoniland ist die Heimat des Schriftstellers Ken Saro-Wiwa, der sich gegen die Ölindustrie im Nigerdelta einsetzte. Er wurde von der damaligen Militärregierung in einem weltweit als Schauprozess kritisierten Verfahren zum Tode verurteilt und 1995 öffentlich gehängt.

Sein Sohn sagte nun der Nachrichtenagentur AFP, der UNEP-Bericht sei eine «Rehabilitierung» seines Vaters. «Ich glaube, er betrachtet die ganze Sache von oben mit einem breiten Lächeln.»

(dyn/sda)

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