Taifun
Verwüstungen apokalyptischen Ausmasses auf Philippinen
publiziert: Montag, 11. Nov 2013 / 20:05 Uhr

Manila - Nach dem Taifun «Haiyan» erreicht Hunderttausende Opfer in den verwüsteten Landschaften auf den Philippinen kaum Hilfe. An Angeboten aus aller Welt fehlt es nicht, dennoch kommt die Versorgung mit dem Nötigsten nach dem Sturm apokalyptischen Ausmasses kaum voran.

10 Meldungen im Zusammenhang
Die philippinische Regierung erklärte die Region zum Katastrophengebiet. Überall liegen Leichen, die Seuchengefahr steigt rapide. Auf vielen Strassen türmt sich der Schutt meterhoch.

Nach ersten offiziellen Angaben der Katastrophenschutzbehörde starben im Osten des Landes mindestens 1774 Menschen, die meisten von ihnen ertranken in tsunamiartigen Flutwellen. Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt. Rund neun Millionen Menschen seien betroffen. Aber die Schätzungen von Hilfsorganisationen gehen mitunter von mehr als 10'000 Toten aus.

Die Verwüstung ist zu vergleichen mit jener nach dem Tsunami 2004 in Indonesien und auf Sri Lanka. Präsident Benigno Aquino beschwor seine Landsleute: «Ich versichere allen: Die Hilfe kommt in den nächsten Tagen schneller an. Ich appelliere an alle: bleibt ruhig, betet und helft einander. Nur so können wir diese Tragödie meistern.»

Flucht vom Land in die Stadt

Doch diese Worte sind vielen kein Trost. Geschäfte wurden geplündert, ein Hilfskonvoi nach Angaben des Roten Kreuzes ausgeraubt.

«Die Sicherheitslage wird eine immer grössere Herausforderung», schrieb Greg Barrow, Sprecher des Welternährungsprogramms, via Twitter. «Die Bevölkerung bewegt sich vom Land in die Stadt auf der Suche nach Wasser, Essen, Hilfsmitteln.»

Polizeisprecher Reuben Sindac sagte im Fernsehen: «Die Leute sagen, die Situation zwinge die Menschen zu Verzweiflungstaten. Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren.» Mehr als 500 philippinische Soldaten und Polizisten trafen in der schwer betroffenen Stadt Tacloban ein, um die Gewalt einzudämmen. 500 Pioniere schafften rund um die Stadt herum Trümmer fort.

Die Versorgungslage ist auch deswegen so prekär, weil der Flughafen von Tacloban schwer beschädigt ist. Die ganz grossen Maschinen können dort nicht landen.

An Bord der ersten Flugzeuge waren Bagger und Kräne, dann kam medizinisches Personal. Im Fernsehen war im fast eingestürzten Flughafengebäude eine Notklinik zu sehen.

Verwesungsgeruch in der Luft

In Tacloban wurden 40 Tonnen Hilfsgüter verteilt - angesichts der Verwüstungen ein Tropfen auf den heissen Stein. Überall in den Strassen liegen Leichen. Nach drei Tagen in der schwülen Hitze überdecke der Verwesungsgeruch alles, sagte eine Augenzeugin im Radio: «Der Gestank ist entsetzlich, die Kinder halten es nicht mehr aus.»

Die Lokalbehörden bereiteten Massengräber vor, aber angesichts des Elends der Überlebenden gibt es nicht genügend Helfer für alle Aufgaben. Auch die US-Armee ist mit 90 Mann vor Ort. Sieben Spezialflugzeuge mit weiteren 90 Marineinfanteristen und Matrosen an Bord waren von Japan aus in Richtung Philippinen unterwegs.

Hilfe aus 22 Ländern

Reporter erreichten mit Mopeds den Ort Guiuan gut 100 Kilometer südöstlich von Tacloban, wo der Taifun am Freitagmorgen über die Küste hereinbrach. Fast alle Häuser und Hütten dort sind zerstört. Panik scheint es nicht zu geben - vielmehr laufen die Menschen wie betäubt durch die Strassen. Einige suchten in den Trümmern, die kilometerlang die Küste bedecken, nach Brauchbarem.

50 Kilometer weiter nördlich landete in Hernani erstmals ein Militärhelikopter. Fotografen an Bord zeigen mit den Luftaufnahmen das Ausmass der Verwüstung: Kilometerweit sind an den Stränden nur noch Trümmerteile zu sehen. Einige Verletzte nahm das Militär auf dem Rückweg mit nach Tacloban.

Die philippinische Regierung kündigte umgerechnet rund 23 Millionen Franken Hilfsgelder an. 22 Länder brachten Nothilfen auf den Weg. Der Vatikan spendete rund 112'000 Euro, die EU-Kommission gab 3 Millionen Euro frei, weitere 8 Millionen Euro für den Wiederaufbau sind angekündigt.

Am Montag traf «Haiyan» in Vietnam auf die Küste und zog weiter über die chinesische Provinz Hainan. Er hatte sich deutlich abgeschwächt.

(fest/sda)

Machen Sie auch mit! Diese wetter.ch - Meldung wurde von 3 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Hanoi - Bei verheerenden Überschwemmungen im Zentrum von Vietnam sind in ... mehr lesen
Vietnam: Nach heftigen Regenfällen sind mehr als 100'000 Häuser in den zentralen Provinzen überflutet worden.
Benigno Aquino, Präsident Philippinen
Tacloban - Der wegen schleppender Hilfe für die Taifun-Opfer kritisierte philippinische Präsident Benigno Aquino hat sich am Sonntag erneut persönlich ein Bild von der Lage im ... mehr lesen
Manila - Sechs Tage nach dem verheerenden Taifun «Haiyan» kommt ... mehr lesen
Alle Überlebenden des Taifuns sollen endlich versorgt werden. (Archivbild)
Bern - Die Schweiz konzentriert sich bei ihrer Hilfe für die Opfern des Taifuns «Haiyan» auf die philippinische Insel Cebu. Die Helfer des Schweizer Korps für humanitäre Hilfe (SKH) verteilten in der Stadt Daanbantayan bereits Lebensmittel. mehr lesen 
Tausende obdachlose Philippinen wurden evakuiert.
Manila - Heftiger Dauerregen und Probleme bei der Versorgung mit Hilfsgütern haben das Leid von Hunderttausenden Taifun-Überlebenden auf den Philippinen vergrössert. Ein neues ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bern - Die Glückskette und die SRG ... mehr lesen
Die Hilfswerke unterstützen ihre lokalen Partner vor Ort und senden zusätzlich eigene Teams.(Archivbild)
Die Menschen auf den Philippinen benötigen dringend humanitäre Hilfe.
Washington - Die USA schicken ... mehr lesen
Bern - Seit Montag leisten 13 ... mehr lesen
Derzeit könne einzig das Militär in die Katastrophenregion gelangen.
«Haiyan» ist einer der heftigsten Tropenstürme aller Zeiten. (Symbolbild)
Peking/Hanoi - Hunderte philippinische Soldaten und Polizisten sind am Montag in der vom Taifun «Haiyan» verwüsteten Küstenstadt Tacloban eingetroffen. Sie sollen die Gewalt der verzweifelten ... mehr lesen
Manila - Ein gewaltiger Taifun hat Millionen Menschen auf den Philippinen in ... mehr lesen
«Haiyan» war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 275 Stundenkilometern einer der schwersten Stürme aller Zeiten auf den Philippinen.
selber...
.... schon gespendet? Oder nur über andere gemotzt? Nicht dass es mir auch übel wird
selber...
.... schon gespendet? Oder nur über andere gemotzt? Nicht dass es mir auch übel wird
atemberaubend
"Der Vatikan spendete rund 112'000 Euro"...

Das ist ja richtig viel. Oder?
HUNDERTZWÖLFTAUSEND !!!
Irgendwie wird mir jetzt grad übel.
Rot markierte Häuser sind zerstört, grüne intakt.
Rot markierte Häuser sind zerstört, grüne intakt.
Steht unser Haus noch? Diese Frage stellen sich Menschen auf der ganzen Welt, die Opfer von Waldbränden wurden. Dies festzustellen war nicht einfach, doch nun können - sobald sich der Rauch für Luftaufnahmen verzogen hat, Gebäudeschäden innerhalb Minuten erkannt werden. mehr lesen 
Während im Süden aufgeräumt wird trifft es die nächste Region  Schwäbisch Gmünd - Gewitter mit Starkregen haben in Deutschland nach den verheerenden Unwettern im Süden nun auch Nordrhein-Westfalen getroffen. Laub ... mehr lesen  
Schlamm und Schutt  Schwäbisch-Gmünd - Bei schweren Unwettern und Überschwemmungen sind in Süddeutschland vier Menschen ums Leben gekommen. In Schwäbisch Gmünd wurden am Montag zwei Männer tot geborgen, sie ... mehr lesen  
Region westlich von Houston besonders betroffen  Washington - Bei schweren Unwettern im US-Bundesstaat Texas sind mindestens sechs Menschen ... mehr lesen  
Wir ermöglichen Werbekunden die Präsentation ihrer Inhalte (Unternehmens- oder Produkteinformationen) im Look & Feel von wetter.ch. Meldungen sind je nach Rubrikenzugehörigkeit speziell gekennzeichnet. Für deren Inhalt ist ausschliesslich der jeweilige Auftraggeber verantwortlich.

NEWS BUCHEN
Wenn auch Sie Ihre aktuellen Neuigkeiten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zielgruppen- gerecht publizieren möchten, wenden Sie sich bitte an unser Verkaufsteam.

WERBUNG BUCHEN Gerne beraten wir Sie kompetent und individuell auch zu weiteren vielfältigen Werbemöglichkeiten in unserem Netzwerk.
Chris Sigrist
Chris Sigrist, sigrist@wetter.ch
Mobile +41 (0)78 690 69 00
Skype chris_vadian_net
 
News
         
Duane Hanson, Artist with Ladder, 1972 (Detail), Polyesterharz, Fiberglas, farbig bemalt mit Öl, Mischtechnik, Accessoires, 177 × 120 × 72 cm, Nicola Erni Collection, © 2022 Estate of Duane Hanson / 2022, ProLitteris, Zurich; Vincent van Gogh, Champ de blé aux bleuets, 1890 (Detail), Öl auf Leinwand, 60 × 81 cm, Fondation Beyeler, Riehen / Basel, Sammlung Beyeler.
Publinews 30. Oktober 2022 - 8. Januar 2023 in der Fondation Beyeler  Die Fondation Beyeler feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen mit ihrer bisher grössten Sammlungsausstellung. Auf nahezu der ... mehr lesen
Doris Salcedo, Palimpsest, 2013-2017 Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2022 Hydraulik, gemahlener Marmor, Harz, Korund, Sand und Wasser; Objektmass variabel © the artist
Publinews 9. Oktober 2022 bis 17. September 2023  In einer raumgreifenden Installation präsentiert die Fondation Beyeler das Werk Palimpsest der international renommierten ... mehr lesen
Publinews Ab in die römische Antike!  Der grösste Silberschatz der Antike, das imposante Theater, das romantische Römerhaus, spannende Mitmach-Aktionen, tolle Picknickplätze ... mehr lesen
Ohne Zwischenstopp erreichbare Fernziele.
Publinews Trotz bestehender Corona-Pandemie packt viele Menschen die Reiselust. In zahlreichen Sehnsuchtszielen ist Reisen wieder möglich. Allerdings müssen sich ... mehr lesen
Schlösser und Burgen.
Publinews Die Schweiz steht für Vielfalt - egal ob es um die Landessprache oder die Natur geht. Gerade die Region rund um die Alpen ist ein beliebtes Reiseziel für ... mehr lesen
Hotelier Alexander Hübner.
Publinews Wie wird die Hotelbranche der Zukunft aussehen und welche Art von Hotels werden angesichts der aktuellen und bevorstehenden ... mehr lesen
Ungestört mit dem Privatjet.
Publinews Nach Cannes, Nizza, Paris, Amsterdam, Düsseldorf oder London jetten? Von einem zentral in Europa gelegenen Flughafen wie dem von St. Gallen und Altenrhein in der Schweiz ... mehr lesen
Im Sommer wie im Winter ein ausgezeichnetes Urlaubsland.
Publinews Die frische Luft der Schweizer Alpen und der süsse Geschmack zart schmelzender Schweizer Schokolade sind nur zwei Gründe für einen Besuch in der wunderschönen ... mehr lesen
Die Urlaubszeit ist da!
Publinews Diese Destinationen sollten Sie in diesem Jahr nicht verpassen  Endlich ist es wieder soweit! Die Urlaubszeit ist da. Für diejenigen Schweizer, die ihren wohlverdienten Jahresurlaub nicht in ihrem schönen ... mehr lesen
Michael Walliser fährt leidenschaftlich gerne Motorrad.
Publinews Motorrad Kredit: Unbeschwerte Finanzierung  Michael Walliser (27) ist ein Mann, der Pläne umsetzt und seine Träume verwirklicht. Mit einem seriösen Privatkredit kann er seinen ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF